Tipp der Woche – Bällchen werfen? – So ist es sinnvoll

Beliebtes Spiel

Bällchen werfen ist wohl eines der beliebtesten Spiele, die Menschen mit ihren Hunden spielen. Und ganz oft spielen sie es mit ihren Welpen. Das sieht dann so aus, dass sie den Ball werfen, der Hund rennt unkontrolliert hinterher oder jagt sogar schon los, bevor der Ball überhaupt geworfen wurde. Einige fangen an zu bellen, wenn Mensch nicht schnell genug wirft.

baellchen-werfenDann kommt der Hund zurückgerast – wenn man Glück hat, weil manche auch mit dem Ball abhauen -, wirft den Ball in 1 – 5 Meter Entfernung vor die Füße seines Menschen und geiert darauf, dass der Ball wieder geworfen wird.

Unterstützt wird das Spiel noch von im Zubehör erhältlichen Teilen, mit denen Mensch noch weiter wegwerfen oder schleudern kann. Wenn man so etwas sogar kaufen kann, muss das doch sinnvoll sein, oder?

Komisch nur, dass die Menschen immer länger werfen müssen, der Hund gar nicht mehr zur Ruhe kommt oder plötzlich anfängt, Jogger, Radfahrer und Autos zu jagen.

Warum solche Ballspiele nicht sinnvoll sind

Schauen wir uns mal an, was da eigentlich so alles passiert, wenn man auf diese Weise mit seinem Hund Ball spielt.

Gelenke

In der Regel wird sehr abrupt gestartet, manche Hunde hopsen zusätzlich noch wie Flummis vor lauter Aufregung und wenn der Ball dann erreicht wird – möglichst noch während er sich bewegt – wird genauso abrupt gestoppt.

Das kann insbesondere bei noch wachsenden Hunden zu Deformationen mit gravierenden Spätfolgen führen. Fußgelenke, Handgelenke und Schultern werden extrem belastet.

Insbesondere die Kniegelenke sind – auch bei erwachsenen Hunden! – stark gefährdet und es kommt gar nicht so selten zu Kreuzbandrissen durch diese abrupten Starts und Stopps. Oft wird das Humpeln gar nicht so ernst genommen und erst mal kein Tierarzt aufgesucht, dann ist es weg und erst später wird der Schaden bemerkt, weil der Hund immer mal wieder humpelt.

Durch häufiges Humpeln und Schonhaltungen entstehen aber Arthrosen, die dem Hund später massive Probleme bereiten.

Da werden Welpen und Junghunde Treppen hoch und runter getragen, bis ihre Menschen Bandscheibenvorfälle bekommen, weil der Süße inzwischen 25 Kilo wiegt. Aber draußen wird dann Bällchen geworfen, was wahrscheinlich 1000 Mal ungesünder und gefährlicher ist als 10 Mal eine Treppe hoch und runter zu laufen! Sehr merkwürdig.  😯

Auslastung

„Aber ich muss meinen Hund doch auslasten!“ bekomme ich dann zu hören.

Überlege mal, was der Hund macht bei diesem Spiel. Klar, er rennt und wird anfangs – je nach Kondition – nach 5 – 10 Mal werfen „platt“ sein. Mit jedem Tag, an dem du dieses Spiel trainierst, wird dein Hund fitter. Du musst nicht mehr 10 Mal werfen, sondern 15 Mal, dann muss der Wurfarm her, damit du weiter werfen kannst und auch das musst du jetzt schon 20 Mal machen.

Irgendwann ist dein Hund so fit, dass du so oft werfen kannst, wie du willst. Er ist nicht mehr „tot zu kriegen“!

Du lastest mit so einem Spiel deinen Hund nicht aus, sondern du trainierst Kondition. Das ist nicht anders, als wenn du ihn mit zum Joggen nimmst oder zum Rad fahren. Was übrigens mit einem Welpen genauso wenig gemacht werden darf wie Ballspiele. Auch das ist Gift für wachsende Gelenke.

Du kannst deinen Welpen (jeden Hund) wunderbar auslasten durch kleine Gehorsams- und Trickübungen und ganz besonders durch Suchspiele. Gib ihm sein Futter mal nicht aus dem Napf, sondern verstreue es in einem Suchteppich oder draußen im Gras.

Oder übe mit ihm, dass er sein Spielzeug sucht und dir bringt. Es gibt so viele wunderbare und bessere Möglichkeiten zur Auslastung als Ballspiele!

Jagen ist toll

Ein weiterer – sehr negativer – Aspekt ist, dass du trainierst: Es ist toll, unkontrolliert hinter sich her schnell bewegenden Objekten herzurennen. Was genau ist das nämlich? Ja – nichts anderes als Jagen.

Und nur allzu oft passiert es, dass die Hunde nach einiger Zeit anfangen, ALLES zu jagen, was sich bewegt. Denn natürlich bereitet dieses Jagen Spaß, führt zu Hormonausschüttungen, die Glücksgefühle erzeugen und gerne wiederholt werden wollen.

Und Mensch wundert sich, warum der Hund plötzlich (???) das Jagen anfängt und so gar nicht mehr zu kontrollieren ist, wenn sich etwas schnell bewegt. Je nach Rasse tritt dieses Phänomen mehr und weniger schnell auf.

Vorsicht – Suchtgefahr

Andere Rassen neigen nicht so sehr dazu, das Jagen auf alle sich bewegenden Objekte zu verallgemeinern, sondern fixieren sich auf IHREN BALL. Es gibt nichts anderes mehr auf der Welt für sie. Sie interessieren sich nicht für Leckerli, nicht für Jogger, nicht für andere Hunde – ja nicht mal für Rehe oder Hasen, die davon rennen.

Aber das ist doch toll, oder? Dann hat man ja alle seine Probleme gelöst! Oder etwa nicht?

Nun ja, das könnte man meinen. Problem ist, dass solche Hunde meist überhaupt nicht mehr zur Ruhe kommen, weil sie nämlich auch Zuhause ständig mit IHREM BALL den Menschen zum Werfen auffordern. Dass sie nicht mehr in der Lage sind, noch irgendetwas anderes wahrzunehmen. Dass ihr Hormonhaushalt ständig ungesunde Stresshormone produziert. Dass sie beginnen, nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Menschen zu nerven.

Es sind nicht nur die Gelenke, die permanent einer Extrembelastung ausgesetzt werden, betroffen. Der Hund ist nicht mehr in der Lage, seine Umwelt wahrzunehmen. Geräusche werden ausgeblendet, er kann ängstlich oder aggressiv reagieren. Es kann zu massivem Verteidigen von Ressourcen gegenüber anderen Hunden oder Menschen kommen.

Um es mal ganz lapidar auszudrücken: Der Hund ist nicht mehr Herr seiner Sinne. Er entwickelt ein Zwangsverhalten – ähnlich einem Junkie, der an der Nadel hängt.

Ich habe Hunde gesehen, die sich bis hin zu regelrechten Anfällen in das Ballwerfen hineingesteigert haben. Die nicht mehr in der Lage waren, ganz normal zu laufen, zu schnuppern und sich zu lösen, sondern nur noch auf die Wurfbewegung ihres Menschen „gegeiert“ haben.

So geht es besser – Ballspiele, die Sinn machen

„Oh je, darf ich jetzt gar keinen Ball mehr werfen? Aber das liebt er doch so sehr!“ kommt ganz oft, wenn ich diese Zusammenhänge erkläre. Die gute Nachricht ist: Man kann Ballspiele auch für sein Training nutzen. Man kann das Werfen als Superbelohnung verwenden. Man kann es nutzen, um mit seinem Hund geduldiges Warten trotz massivem Reiz zu trainieren. Man muss es nur gezielt einsetzen.

Abwarten

Die wichtigste Übung ist, dass der Welpe lernt zu warten. Dass er lernt, zu warten, wenn du einen Ball oder irgendetwas anderes wirfst. Bis du ihm erlaubst, dort hinzulaufen. Dadurch wird der abrupte Start und Stopp verhindert. Der Reiz des Hinterherrennens hinter einem sich schnell bewegenden Objekt (jagen!!!) wird genommen. Denn dein Hund darf erst dann los, wenn du es sagst und du erlaubst es erst, wenn das Objekt sich nicht mehr bewegt.

Und er darf es auch nicht jedes Mal holen. Manchmal holst du es auch und er muss warten. Gar nicht so einfach, oder?

Naja, es ist bestimmt schwerer als einfach öde einen Ball zu werfen und den Welpen unkontrolliert hinterlaufen zu lassen, ABER es bringt dir eine ganze Menge auch für andere Situationen.

Und so trainierst du es

Voraussetzung ist, dass dein Welpe schon „Sitz“ kann und es schafft, ein paar Sekunden sitzen zu bleiben.

Lass ihn sitzen und belohne ihn ein paar Mal. Bewege dich, sodass er lernt, auch dann sitzen zu bleiben. Und dann lässt du anfangs den Ball nur fallen. Je besser und zuverlässiger dein Welpe sitzen bleibt, umso weiter und heftiger kannst du werfen.

Schau dir auf dem Video an, wie die Welpen die ersten Schritte lernen.

Werfen als Belohnung

Und ab und zu – die Betonung liegt wirklich auf ab und zu – darfst du auch mal werfen und dein Welpe darf gleich losrasen. Viel Spaß beim Training wünscht dir

Claudia Hußmann

Welpenerziehung kinderleicht

9 Replies to “Tipp der Woche – Bällchen werfen? – So ist es sinnvoll”

  1. Wirklich sehr gut erklärt!!!
    Außerdem lernt der Hund beim herkömmlichen Ball werfen, daß es toll ist sich weit von seinem Menschen zu entfernen und die Belohnung (den Ball) gibt es auch weit weg.

  2. Hallo,unsere Welpe kommt in der Nacht im Bad, Morgens hat ver vauf ein Stecky pipi gemacht, ist das so OK ?
    Anfangs haben wir ihn mit bins Bett genommen und alle zwei stunden nach draußen, trotzdem hat er noch im Bett pipi gemacht, dann war vschluß und ab ins Bad für die Nacht

    MfG

  3. hallo Claudia,
    wir haben seit zwei Wochen einen mittlerweile 12 Woche alten Cocker-Pudel-Mischling. Alles klappt eigentlich prima. Danke übrigens für die Tipps mit der Stubenreinheit, ab und zu geht es daneben aber im großen und ganzen haben wir das bald im Griff.
    Mein Problem jedoch ist, unsere Resi möchte alles fressen was ihr draußen in den Weg kommt. Wie kann man ihr beibringen, dass sie das nicht darf? Seit es den Schnee weggeregnet hat, kommen Dinge zum Vorschein wie Pilze etc. und die sind zum Teil bestimmt giftig. Daher habe ich Angst es könnte etwas passieren. Auch nimmt sie Steine und Hackschnitzel in die Schnautze. Ich habe es schon mit dem Wort ohoh. probiert, sie hört darauf und bekommt auch ne Belohnung, aber vielleicht war das schon ein Fehler?
    Liebe Grüße Martina

    • Hallo Martina,

      nein, das war kein Fehler. Wenn du das oft genug und immer und immer wieder machst, schaut er irgendwann das Zeug an und dann dich und dann kannst du das Hochschauen zu dir belohnen.
      Dann hast du: Hund findet etwas und schaut dich an. 🙂
      Lies auch mal das HIER.

      Viel Spaß weiterhin
      Claudia

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