Welpe will zu jedem Hund

Macht dein Welpe Theater an der Leine, wenn er einen anderen Hund sieht?

Ein weit verbreitetes Problem ist, dass ein Hund anfängt zu zerren oder gar zu bellen, wenn er einen anderen Hund sieht. Nein, nein – er ist überhaupt nicht böse. Er will einfach nur zu dem anderen Hund. Ist er dort, ist alles in Ordnung.

Aber was passiert, wenn du ihn zu dem anderen Hund lässt, wenn er sich so aufführt? Leider lernt dein Welpe, dass sich sein Zerren und Kläffen lohnt. Denn er hat ja erreicht, was er wollte. 🙁

Zwiespalt am Anfang führt zum Problem

Häufig entsteht das Problem, weil der Welpenbesitzer ja immer gesagt bekommt, dass sein Welpe andere Hunde kennenlernen muss. Das ist ja auch gar nicht falsch. Es ist halt die Frage, ob das an der Leine sein muss.

Jedenfalls ist es häufig so, dass die Menschen dann hinter ihrem kleinen Welpen „herdackeln“ und der Kleine lernt: „Wenn ein anderer Hund kommt, marschieren wir dahin!“  Begegnet dann vielleicht noch ein Spielkamerad, den er schon kennt und mit dem er ganz dringend spielen möchte, kann es leicht passieren, dass es ihm nicht schnell genug geht – und schon hat man den Salat. Der Welpe zieht, der andere lässt womöglich seinen Hund schon mal los und man sieht nur noch zu, dass man seinen Welpen auch los lässt. Und hat besagten Lerneffekt.

Am besten ist natürlich, von Anfang an konsequent zu sein und den Welpen nur dann zum anderen Hund zu lassen, wenn er sich zuvor auf dich konzentriert hat und du es ihm erlaubt hast.

Zu spät? Du hast du das Problem schon? Dein Welpe will zu jedem Hund hin und macht einen richtigen Aufstand? Hier erfährst du, was du dagegen unternehmen kannst.

Was tun, wenn dein Welpe zu jedem Hund will?

Aus meiner Sicht kommt man mit Ablenkungsmanövern, Sicht versperren oder gar Strafen nicht wirklich weiter. Letzteres birgt gar die Gefahr, dass dein Hund irgendwann andere Hunde doof findet, weil es jedes Mal unangenehm wird, wenn er einen anderen Hund sieht. Das kann dann zu einer richtigen – sehr unangenehmen – Leinenaggression führen oder im Extremfall sogar zu einem grundsätzlich unverträglichen Hund.

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Eine Alternative trainieren

Am besten ist es, ein anderen Verhalten zu trainieren. Also zum Beispiel könntest du trainieren, dass dein Welpe sich beim Anblick eines anderen Hundes anstatt an der Leine zu zerren zu dir wendet und mit der Nase an deine Hand stupst. Oder dich einfach nur anschaut. Oder neben dir her läuft.

Ich erkläre das Training hier mit dem Anschauen. Das geht bei den meisten Hunden am einfachsten.

Entfernung muss groß genug sein

Am einfachsten ist das Training anfangs mit einem anderen Hundebesitzer, mit dem du das vorher besprochen hast. Dann brauchst du nicht noch auf den Anderen zu achten, sondern kannst dich ganz auf deinen Hund konzentrieren.

Die Entfernung sollte so groß sein, dass dein Welpe den anderen Hund zwar wahrgenommen hat, aber noch gut ansprechbar ist, d.h. weder in der Leine hängt noch bellt. Es bringt nichts, wenn du mit dem zerrenden Hund, der völlig außer sich ist, bis auf 2 Meter heran gehst und dann anfangen möchtest zu trainieren. Wenn du in 50 Meter Entfernung anfangen musst, dann ist das eben so.

Weise den anderen Hundebesitzer an, mit seinem Hund aufzutauchen und nach einiger Zeit wieder zu verschwinden. Das geht oft ganz gut an Weggabelungen oder wenn Bäume am Straßenrand sind. Er soll aber nicht näher kommen. Dann kannst du nämlich entscheiden, wie nah du gehst.

Schritt1 – Gute Gefühle wecken und Rückorientierung zum Menschen

Sobald dein Welpe den anderen Hund wahrgenommen hat, sage dein Lobwort (noch besser geht es mit Clicker, wenn dein Welpe den kennt) und füttere ihn. Es ist für dieses Training gut, besondere Leckerli zu haben. Sie sollten klein und weich und leicht verschlingbar sein. Solange der andere Hund in Sicht ist, gibt es Lob und Leckerli, verschwindet der andere Hund, ist beides weg.welpe will zu jedem hund-warten

Wiederhole das ca. zehn Mal. Dann wartest du mal, wenn der andere Hund auftaucht. Mache nichts, sage nichts, ziehe nicht an der Leine. Zähle still „einundzwanzig – zweiundzwanzig – dreiundzwanzig – vierundzwanzig – fünfundzwanzig“. Folgendes kann passieren:

  1. Dein Welpe dreht sich zu dir rum und schaut dich vorwurfsvoll an. So nach dem Motto „Wo bleibt meine Belohnung?“ – BINGO – Sofort Lob & Belohnung. Das ist genau das Verhalten, was du haben möchtest. Mach weiter mit Schritt 2.
  2. Dein Welpe schaut und schaut und schaut immer nur zu dem anderen. In diesem Fall wiederhole einfach noch einige Male Schritt 1. Eventuell musst du noch ein Stückchen weiter weggehen oder bessere Leckerli verwenden.
  3. Dein Welpe hängt sich in die Leine, zerrt und/oder bellt oder geht auf die Hinterbeine. Du bist zu nah! Geh noch weiter weg und wiederhole Schritt 1.

Schritt 2 – Distanz verringern

Wenn dein Welpe in der Entfernung bei Schritt 1 immer gleich zu dir schaut und erwartungsvoll auf sein Leckerli giert, kannst du etwas näher gehen. Wie schnell du näher gehen kannst, musst du ausprobieren. Beobachte deinen Hund. Er sollte nach Möglichkeit nie in die Leine gehen. Dann bist du zu schnell näher gegangen.

welpe will zu jedem hund - rueckorientierungAngenommen, du hast in 15 Meter Entfernung angefangen und gehst jetzt 5 Schritte näher. Dann machst du das gleiche Spiel wie in Schritt 1. Zunächst Lob und Belohnung, wenn der Hund auftaucht für ruhiges Hinschauen. Dann wieder warten und erst belohnen, wenn dein Welpe zu dir schaut, nachdem er den anderen Hund gesehen hat.

Klappt es, waren die fünf Schritte ok. Geht dein Hund in die Leine oder bellt, machst du beim nächsten Mal nur drei oder vielleicht auch nur einen Schritt.

So arbeitest du dich immer näher an den anderen Hund heran, bis du sogar an ihm vorbeigehen kannst.

ACHTUNG! Das passiert in der Regel nicht in einer Trainingseinheit. Gerade mit einem jungen Hund machst du nach einem Durchgang von fünf bis fünfzehn Wiederholungen eine Pause. Pause heißt, du lässt deinen Hund an etwas längerer Leine schnuppern, sich lösen oder einfach nur mal ruhig stehen. Nach drei bis fünf Minuten kannst du einen neuen Durchgang machen. Wieviele Durchgänge du machen kannst, hängt davon ab, wie viel Training dein Hund gewöhnt ist.

BEOBACHTE immer deinen Hund! Wenn du merkst, dass er unkonzentriert ist, reicht es für die  nächsten vier Stunden oder sogar den ganzen Tag. Mach dann lieber am nächsten Tag weiter.

Schritt 3 – Übertragen auf andere Situationen

Leider lernen Hunde sehr kontextbezogen.und sind relativ schlecht im Verallgemeinern. Wenn du also mit dem Nachbarhund Paul im nächsten Feldweg geübt hast und das alles super geklappt hat, heißt das nicht, dass dein Welpe es jetzt kann.  😯

Wenn du nur eine Hilfsperson mit Hund hast, könnt ihr beim nächsten Training woanders üben. Noch besser ist natürlich, du hast verschiedene Freiwillige und kannst mit unterschiedlichen Hunden an diversen Orten üben.

Fang immer wieder in einer Distanz an, in der es locker klappt und einfach für deinen Welpen ist. Du wirst merken, dass du immer schneller näher kommen kannst, denn mit jedem neuen Sparringspartner und jedem neuen Ort hat dein Welpe es immer besser verstanden. 🙂

Lass deinen Trainingspartner auch mal ganz normal begegnen. So, wie das im Alltag auch passiert. Je mehr verschiedene Varianten du übst, um so besser versteht dein Welpe, dass es darauf ankommt, DICH anzuschauen, wenn er einen anderen Hund gesichtet hat.

Schritt 4 – Hundebegegnungen im Alltag

Bei allem Training kann es immer mal wieder passieren, dass dein Hund vielleicht doch auf einen anderen Hund reagiert. Deshalb nimm es – gerade in der Anfangszeit – nicht als selbstverständlich hin, wenn dein Hund sich beim Anblick eines anderen Hundes zu dir dreht und dich anschaut, sondern BELOHNE ihn.

Er ist so gesehen noch im Kindergarten. Und wenn sich das zu dir schauen nicht lohnt, könnte es passieren, dass er wieder etwas anderes ausprobiert. 🙁

Wenn du merkst, dass es gar nicht geht, vielleicht, weil der andere Hund bellt oder weil die Stelle einfach sehr eng ist, kehr lieber um oder geh ein Stück vom Weg weg, wenn das möglich ist. Vermeide nach Möglichkeit das unerwünschte Verhalten. Sollte es doch mal passieren, dreh dich einfach um und gehe so schnell wie möglich raus aus der Situation.

Du hast keine Hilfsperson

Wenn du niemanden hast, der sich bereit erklärt, mit seinem Hund mal die Ablenkung zu machen, bleibt dir nur der Alltag zum Üben. In diesem Fall versuchst du, so viele Hundebegegnungen wie nur möglich zu finden. Eventuell hilft es, die Gassizeiten zu verändern oder du fährst woanders hin, wo mehr Menschen mit ihren Hunden laufen.

Im Prinzip trainierst du wie oben beschrieben. Das einzige Problem ist, dass die anderen sich bewegen. Du musst also selbst darauf achten, die Distanz beizubehalten. Das bedeutet, du musst anfangs wahrscheinlich häufig flüchten. Ich suche mir in so einem Fall nach Möglichkeit ein Gelände aus, wo ich mich auch abseits vom Weg bewegen kann oder wo in nicht allzu großer Entfernung eine Abzweigung ist, die ich nutzen kann.

Es ist sicher nicht ganz einfach, wenn man nur im Alltag üben kann, aber du wirst mit der Zeit ein Gespür dafür bekommen, wo die kritische Distanz ist. Und tröste dich! Auch die, die mit Hilfspersonen geübt haben, müssen im Alltag noch üben. 😉

Ganz ehrlich: Ich trainiere mit meinen Hunden fast ausschließlich in Alltagssituationen.

Vorteile dieser Methode

Das Schöne bei dieser Methode ist, dass du nichts sagen musst. Der andere Hund selbst ist das Signal dafür, dass sich dein Welpe zu dir orientiert. Wenn du das oft genug geübt hast, funktioniert das praktischerweise auch ohne Leine!

Und wenn du mit Joggern, Radfahrern und was sonst sich noch so alles bewegt genauso verfährst, bekommst du mit der Zeit einen Hund, der sich immer zu dir orientiert, wenn er etwas sieht.

Ist der „Gegner“ sein bester Spielkumpel und es ist keine Straße in der Nähe, kann die Belohnung natürlich auch sein, dass du deinen Welpen zum Spielen schickst. Aber dann hast du ihm grünes Licht gegeben, nachdem er dich gefragt hat! Und klar ist: Das gibt es nur, wenn er wirklich brav war!

Zu guter letzt

Es ist bei diesem Training extrem wichtig, dass dein Welpe ZUERST die Ablenkung sieht und DANACH kommt dein Lob und Leckerli. Denn du willst ja erreichen, dass die Ablenkung zum Signal wird.

Machst du es umgekehrt, passiert dummerweise genau das Gegenteil. Das Leckerli wird zum Signal dafür, dass eine Ablenkung kommt. Das wiederum führt meist dazu, dass der Welpe irgendwann anstatt das Leckerli zu nehmen schon Ausschau nach der Ablenkung hält. Und das ist auch der Grund, warum das Ablenken mit Leckerli meist nur begrenzte Zeit funktioniert.

Leider wird das immer wieder falsch gemacht und dann heißt es: „Aber bei mir funktioniert das nicht!“ Wenn du die richtige Reihenfolge einhältst und immer mit genügend Abstand trainierst, garantiere ich dir, dass es funktioniert! 🙂

Nochmal, weil die Reihenfolge so wichtig ist

Welpe sieht Ablenkung ==> Lob und Leckerli

Ich wünsche dir viel Erfolg. Sollte etwas nicht klappen oder unverständlich sein, melde dich einfach bei mir. 

Claudia Hußmann

Welpenerziehung kinderleicht

8 Replies to “Welpe will zu jedem Hund”

  1. Danke für die guten Tipps. Allerdings hätte ich da zwei Fragen und zwar
    1. wenn mein Hund einen anderen fixiert und ruhig sitzen bleibt gebe ich ihm ja ein Lob und Leckerli doch es dauert eine Weile bis der andere Hund aus dem Sichtfeld ist und meiner schaut ihm dann die ganze Zeit nach. Wie oft soll ich ihm für ruhiges sitzen ein Lob und Leckerli geben? Oder soll ich dann einfach weiter mit ihm gehen wobei ich ihn dann etwas ziehen müsste?
    2. Wenn es noch nicht so gut klappt und er trotzdem zieht wie kann ich ihm dann erlauben mit anderen zu spielen? (Natürlich dann abgeleint). Weil momentan versuche ich ja die direkte Konfrontation zu vermeiden aber das heisst er kann gar nicht mehr spielen momentan.
    Freue mich über Antworten

  2. Super Beschreibung
    Allerdings ist es bei meinem anderst herum, wenn er ein hund sieht auch Menschen oder Nur ein hund bellt will er nicht dort hin sondern schnell weg.
    Bei den Menschen hab ich es schon gut hinkommen da können wir zwar nicht bei jedem ohne Probleme vorbei gehen.

  3. Hallo Frau Hußmann,
    erst einmal ganz tolle Seite. Kann man nur weiterempfehlen! 🙂
    Vielleicht können Sie mir noch ein paar Tipps geben:
    Und zwar habe ich einen vier Monate alten Labrador Mischling, der mich an der Leine wirklich zum Verzweifeln bringt. Sobald er etwas in der Nase hat zieht er wie verrückt an der Leine und will unbedingt dort hin. Ich habe schon versucht einfach stehen zu bleiben und zu warten bis er sich zu mir umdreht und dann erst weiter zugehen. Das Problem ist nur, dass wir dann keinen Meter vorkommen.

    Das zweite Problem haben wir sobald Menschen oder Hunde auftauchen. Er bleibt stocksteif stehen und beobachtet, ich versuche ihn dann mit Leckerchen oder Spielzeug abzulenken… keine Chance.. wenn der Hund oder der Mensch sich dann nähert und wir abseits stehen fängt er an zu fiepen und zieht an der Leine wie verrückt (er will immer dorthin). Bei anderen Hunden bellt er sogar bzw. glaube ich, dass er sie zum Spielen auffordern möchte…

    Haben Sie vielleicht noch Tipps für mich wie ich dieses Verhalten unterbinden könnte? Viele Grüße

    • Wenn ihr keinen Meter weit kommt, ist das doch nicht dein Problem. Sondern dass deines Hundes. Da hat er Pech gehabt. 🙂

      Verabschiede dich um UNTERBINDEN und trainire wie hier beschrieben. Dann klappt es auch

  4. Hallo Frau Hußmann,

    wie verhalte ich mich denn, wenn ich in die Hundeschule gehe? Denn dort muss ich ja irgendwann ankommen, da kann ich ja nicht umdrehen und auf Distanz bleiben. Ignoriere ich dann einfach das Bellen, wenn wir an den Hunden vorbeigehen oder umgekehrt? Im Alltag klappt es ganz gut, aber zum Hundetraining bin ich noch nicht ohne Bellen(wegen der Nähe der Hunde) vorbeigekommen. Mein Hund ist 4 Monate alt.

    Über eine Rückmeldung freue ich mich.

  5. Pingback: Du fragst - ich antworte: Hund bellt alles an, was neu ist - Welpenerziehung

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