Welpenerziehung – mal anders betrachtet

Welpenerziehung aus einer anderen Perspektive

StadttrainingAm Samstag waren wir mit dem Hundeführerscheinkurs in der Stadt. Da saßen ein paar ältere Herren auf einer Bank und sahen zu, wie die Hunde freundlich aufgefordert wurden, Sitz oder Platz zu machen oder eine auf dem Boden liegende Bratwurst nicht zu fressen.

Alle Hunde gehorchten übrigens sehr gut! 😉 Dann meinte der eine Herr zum anderen: „So ein Quatsch! Da kommt man sich ja bescheuert vor. Man muss denen nur mal richtig laut sagen, was sie tun sollen! So ein Theater gab’s früher nicht.“

Diese Herren brachten mich zum Nachdenken.

War früher wirklich alles besser?

Hat sich früher jemand großartig Gedanken um die Hundeerziehung gemacht? Nicht so wirklich. Es gab aber auch keine Gefahrenhundeverordnungen und der Nachbar erstattete nicht gleich eine Anzeige, wenn der Hund ihn mal angeknurrt hat.

Und wenn wirklich einer „bissig“ war, tja!

Die Vereine

Es gibt natürlich schon lange die Gebrauchshundevereine. Aber da ging – und geht es heute leider oft immer noch – es ziemlich brutal zu. Bevor der Hund ein Jahr alt war, brauchte man gar nicht zu kommen.

„Mit denen kann man noch nichts arbeiten, die sind noch zu klein!“, hieß es.Hilfe, tu mir nichts

Und wenn ein erwachsener Hund unter dem massiven Druck und der teilweise auch sehr massiven körperlichen Einwirkung zusammenbrach, dann „taugte der nichts“. Wenn er nicht gleich eingeschläfert wurde, hatte er vielleicht sogar das Glück, als zu weich in eine Familie abgegeben zu werden.

Das Wohlbefinden des Hundes stand jedenfalls nicht im Vordergrund dieser „Erziehung“.

Die Dorfhunde

Die meisten Hunde wurden aber gar nicht erzogen. Sie liefen entweder im Dorf herum, waren an der Kette oder im Zwinger oder auf dem Hof. Und keiner regte sich auf, wenn die Hunde ohne Menschen spazieren gingen.

Es kam aber auch keiner auf die blöde Idee, jeden fremden Hund anpacken zu müssen. Knaffte ein Hund mal, wenn sich jemand auf einen Hof wagte, bekam der Mensch eher noch einen Rüffel. 🙂

Diese Hunde waren weder hyperaktiv noch leinenaggressiv noch hatten sie Probleme mit anderen Hunden. Und wenn, dann wurden diese ohne menschliches Zutun geklärt und hatten in der Regel auch keine Verletzungsfolgen.

Anforderungen der modernen Hundehaltung

Was hat sich geändert? Kurz gesagt: ALLES!

Unsere Hunde leben mit in der Familie, müssen mit Kindern, Männern, Frauen, alten Menschen, anderen Haustieren, einer wenig hundegerechten verkehrsreichen Umwelt und und und klar kommen.

Es wird erwartet, dass sie sich Zuhause ordentlich benehmen, wenn Besucher kommen. Wenn wir weg sind, sollen sie geduldig auf uns warten – ohne zu bellen oder etwas kaputt zu machen natürlich!

Sie sollen mit uns den Hundesport machen, den wir uns für sie ausgewählt haben. Sie sollen sich mit anderen Hunden, die wir für sie auswählen, vertragen. Sie sollen „unauffällig“ sein, den Nachbarn nicht anbellen und natürlich nicht jagen.

Sie sollten draußen immer kommen, wenn man sie ruft. Sie sollen anständig an der Leine gehen, egal was um sie herum passiert. Sie sollen sich von jedem anfassen lassen und dabei immer freundlich bleiben. Diese Aufzählung könnte man endlos fortsetzen.

Unsere Hunde sind sehr anpassungsfähig

Eins muss man unseren Hunden lassen. Sie haben sich unglaublich gut an die geänderten Anforderungen angepasst. Es gibt Hunde, die „funktionieren“ tatsächlich ohne – oder vielleicht sogar trotz? 😉 – Zutun ihrer Menschen relativ problemlos in unserer nicht gerade hundefreundlichen Gesellschaft.

Ich bin nicht sicher, dass wir Menschen die Anforderungen immer so gut bewältigen. Aber das ist ein anderes Thema.

Ein bisschen Erziehung schadet nicht

Meist geht es aber eben nicht von alleine. Und es ist für unsere Welpen so leicht zu lernen, wenn wir ihnen auf nette Art mitteilen, was wir von ihnen wollen. Nur leider geht eben da allzu oft etwas schief.

Da wird der Welpe ohne Nachzudenken am Halsband herumgezerrt, wird runtergedrückt oder gar jeden Morgen einmal auf den Rücken gelegt und massiv bedroht, damit er weiß, wer der Chef ist. Du glaubst nicht, was ich hier manchmal höre, was Menschen mit ihren Welpen so alles machen sollten. 🙁

HALLO!!!!! Geht’s noch????????

Erst denken – dann trainieren

Ich bin der Meinung, dass man vom Menschen verlangen kann, dass er darüber nachdenkt, wie er mit seinem Hund umgeht. Wie sich sein Hund dabei fühlt. Ob er vielleicht Schmerzen hat dabei. Es geht hier nicht um antiautoritäre Erziehung ohne jede Grenze.

Aber es geht darum, fair und nett mit dem Welpen umzugehen. So, dass er Vertrauen aufbauen kann. So, dass er merkt, dass er sich immer auf seinen Menschen verlassen kann. So, dass er seinen Menschen einschätzen kann und ihn nicht als unberechenbar erlebt. So, wie man ein anderes Lebewesen eben behandelt. Mit Respekt und Einfühlungsvermögen.

Wie würde man sich als Mensch fühlen, wenn man in eine völlig fremde Kultur kommt und wird dauernd nur angeschnauzt oder bekommt gar eine geknallt, weil man sich nicht an Regeln hält, die man gar nicht kennt?

Es geht hier nicht darum, den Hund zu vermenschlichen. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch Hunde Gefühle haben und Schmerzen empfinden.

Wer käme auf die Idee, seinem Kind ein Stachelhalsband anzulegen, wenn es nicht gehorcht? Hoffentlich niemand. Aber beim Hund MUSS das sein?!?!? Wenn ich so etwas höre bin ich ehrlich traurig und entsetzt.

Leute, redet euch nicht raus. Wenn ihr das tun MÜSST, seid ihr nur zu FAUL, zu trainieren. Es gibt inzwischen überall gute Hundeschulen, die ganz anders arbeiten. Vielleicht muss man 5 km weiter fahren. Vielleicht muss man auch 5 € mehr für die Stunde bezahlen. Und – man muss auch ein bisschen mehr nachdenken.

Aber HALLO! Ihr habt ein Wesen an eurer Seite, das euch so bedingungslos liebt, wie euch ein Mensch wahrscheinlich niemals lieben wird. Und da kann man doch wirklich erwarten, dass sich umgekehrt der Mensch zumindest mal ein paar Gedanken darüber macht, wie er mit diesem Tier umgeht. Und wie das Tier sich dabei fühlt. Zumal der Mensch angeblich den höheren IQ hat.

AngstMir kann keiner erzählen, dass er wirklich glaubt, dass ein Tier entspannt ist, wenn es völlig verängstigt und eingeschüchtert in einer Ecke sitzt und nicht mehr traut, sich zu bewegen. So wie es die Fernsehtrainer und Innen gerne erzählen.

Bestimmt hat jeder seinen Hund schon mal entspannt irgendwo liegen sehen, oder? Sah das Tier dann so aus? Zurückgelegte Ohren, eingezogener Kopf, geduckte Haltung, etc.? Leute, es ist Bequemlichkeit.

Der Hund wird zur absoluten Passivität und zur Hilflosigkeit erzogen. Entweder er ergibt sich in sein Schicksal und macht eben nichts mehr. Glück gehabt. 🙁 Oder er sagt irgendwann: „Das lasse ich mir nicht gefallen!“ und beißt zu. Pech! Meistens für den Hund, weil der dann abgegeben oder eingeschläfert wird.  Ist ja ein böser Hund. Hat nicht funktioniert. Willst du so einen Hund? Okay, dann bist du auf meinen Seiten falsch! Wenn nicht, kannst du hier viele wertvolle Tipps finden.

Keiner wird gezwungen, sich einen Hund anzuschaffen!!!

Aber ich finde, wenn man sich einen anschafft, hat man verdammt nochmal auch die Pflicht, ein bisschen was über das Tier zu lernen und ein bisschen Zeit zu investieren um vernünftig mit ihm umzugehen. Das ist wohl nicht zuviel verlangt.  😕

Das gilt auch und insbesondere für das Training mit dem Welpen. Er weiß es nicht besser. Er tut nichts um uns zu ärgern. Er muss es erst noch lernen. Aber dazu sollte man ihm eine faire Chance geben.

Wenns nicht klappt, kommt der Hund ins Tierheim

Und wenn der Welpe/Junghund sich nicht so benimmt, wie mann sich das gedacht hat, dann bringt man ihn ins Tierheim. Dafür sind Tierheime schließlich da. Und holt sich dann den nächsten Welpen. In der Hoffnung, dass der besser funktioniert. Der letzte war ja anscheinend ein Montagsmodell.

Du glaubst das nicht? Manche sagen es sogar, wenn sie ihr Tier abgeben.  😯 Bei anderen bekommt man es durch Bekannte oder Nachbarn mit. Oder wenn sie den nächsten Hund im Tierheim abliefern.

Traurig??? Ja, sehr traurig! Und es macht mich wütend. Weil wir Menschen doch so klug sind. Ich bin immer bereit, zu helfen, wenn jemand ein Problem mit seinem Hund hat. Manchmal kann es sogar besser sein, wenn das Tier woanders hinkommt. Aber nicht einfach so gedanken- und gefühllos!

Tipps zur Welpenerziehung

Damit es mit dem Welpen und später dem erwachsenen Hund klappt, möchte ich dir hier ganz viele Tipps rund um die Erziehung und den Umgang mit dem Welpen geben. Es sind nicht alle Welpen gleich, so wie nicht alle Menschen gleich sind. Deshalb funktioniert auch nicht alles bei jedem Welpen gleich gut. Manchmal geht es auf die eine Art, manchmal etwas anders. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, die nett sind, dass für jeden etwas dabei ist.Fröhlicher Hund beim Training

Das Training über positive Verstärkung fordert den Menschen etwas mehr als Einschüchterung, Gerucke und Gewalt. Der Mensch muss sich ein paar Gedanken machen, wie er etwas trainiert. Und was er tut, wenn es nicht wie geplant klappt. Und nicht zuletzt muss er sich selber immer wieder daran erinnern, daran zu denken, die guten Verhalten zu belohnen.

Eine Belohnungswoche ab und zu hilft dabei immens. Damit schult man das eigene Verhalten und irgendwann wird es mehr und mehr zur Gewohnheit.

Aber ist nicht alleine schon ein so fröhlich arbeitender Hund Belohnung genug? Ist es nicht toll, wenn man sieht, dass ein Hund gerne mitarbeitet? Geht es einem nicht besser, wenn man sieht, dass sich der Welpe wohl fühlt? Und es macht doch einfach nur Spaß, so zu trainieren!

Und wenn mal etwas nicht funktioniert und du nicht weiter weißt, schreib mir eine Mail an claudia@welpenerziehung24.de.

Fazit

Das war heute mal ein nicht ganz so positiver Artikel von mir. Die Herren am Samstag haben mir eben einfach zu denken gegeben. Ich glaube, es ist mangelnder Respekt auf der einen und Gedankenlosigkeit auf der anderen Seite, die zu solchen Rohheiten führt.

Ich hoffe, ich konnte hiermit einen Denkanstoß geben. Und wenn ich nur dich und sonst niemanden zum Nachdenken gebracht hat, hat sich das Schreiben dieser Zeilen schon gelohnt.

Claudia Hußmann

P.S.: Wenn du dir Unterstützung wünscht bei der Erziehung deines Welpen und einen 24-Stunden-Coach an 7 Tagen in der Woche suchst, dann schau dir den 12-Wochen-Fahrplan für Welpen mal an.

One Reply to “Welpenerziehung – mal anders betrachtet”

  1. Ich bin Halterin eines Appenzeller Sennenhundes,4Jahre und kann dir nur zustimmen.Wenn Hund ,dann total mit Hundeschule ,Hundetrainerin und allem was dazu gehört,nämlich viel Liebe ,Erziehung und Zeit.Wir sind auf jeden Fall voll beschäftigt mit unserm Hund.

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