Ist die Welpenschule zum Spielen da?

Immer mal wieder höre ich so etwas wie „Wir haben uns in der Welpenschule angemeldet, damit der Welpe spielen kann.“ oder „Wir haben uns in der Welpenschule angemeldet, damit der Welpe sozialisiert wird.“

Was ist der Sinn einer Welpenschule?

Und auch ich bekomme hier vor Ort immer mal wieder Anrufe, wo Menschen ihren Welpen für die Spielgruppe anmelden wollen. Und dann sehr erstaunt sind, wenn ich ihnen erkläre, dass es bei mir keine Welpenspielgruppe gibt.

Doch, doch: Es gibt eine Welpengruppe. Aber es gibt KEINE WelpenSPIELgruppe. Es gibt bei mir überhaupt keine reinen Spielgruppen. Und ich möchte dir auch sagen, warum das bei mir so ist.

Der Sinn einer Welpengruppe ist meiner Meinung nach, dass

  • die Welpenbesitzer alle ihre Fragen los werden können und diese kompetent beantwortet werden
  • die Welpenbesitzer erfahren, was für den Alltag mit ihrem Welpen anfangs wirklich wichtig ist
  • die Welpenbesitzer erste kleine Übungen an die Hand bekommen, die sie mit ihrem Welpen machen können
  • die Welpenbesitzer wissen, dass da jemand ist, an den sie sich bei Problemen wenden können
  • die Welpenbesitzer wichtiges Wissen rund um den Welpen und die Welpenerziehung bekommen
  • der Welpe lernt, sich auch in Anwesenheit von anderen Welpen / Hunden auf seinen Menschen zu konzentrieren
  • der Welpe lernt, dass die Anwesenheit von anderen Hunden nicht bedeutet, dass sein Mensch bedeutungslos ist
  • die Welpenbesitzer lernen, wie sie es schaffen, ruhig an anderen Hunden vorbei zu laufen
  • die Welpen einen vernünftigen Umgang mit anderen Welpen lernen und kontrollierte Kontakte stattfinden, d.h. die Welpen dürfen durchaus auch mal spielen

Du siehst schon: Die Welpengruppe ist hauptsächlich für den Welpenbesitzer und viel weniger für den Welpen da.

Wozu die Welpenschule nicht dienen sollte

Aus meiner ganz persönlichen und subjektiven Sicht sollte die Welpenschule keinesfalls dazu dienen, dass der Welpe lernt: Anderer Hund in Sicht bedeutet, dass er da sofort hin muss. Und dass er darüber hinaus noch lernt, dass sein Mensch völlig uninteressant ist, sobald er einen anderen Hund sieht.

Schlimmstenfalls lernt der Welpe auch noch, dass er an der Leine zerren muss, um schneller zum anderen Hund zu kommen, wenn er genau in dem Moment zum Hund gelassen, wenn er zerrt.

Das hat zwar für mich den Vorteil, dass ich später viele Kunden mit leinenaggressiven Hunden in den Unterricht bekomme. Mir sind aber viel lieber die Hundehalter, die mit ihrem Hund kommen, weil sie mit ihm eine tolle Beschäftigungsmöglichkeit suchen und im Alltag keine Problem haben.

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Und im allerschlimmsten Fall lernt der Welpe, dass andere Hunde total doof sind, weil ein Rüpel in der Gruppe ist und der Leiter oder die Leiterin der Welpengruppe meint, die Hunde müssen das alles unter sich ausmachen.

Mit anderen Worten: Ich sehe absolut keinen Sinn oder Vorteil darin, wenn man sich trifft, um Hunde ewig lange unkontrolliert miteinander spielen zu lassen.

Wozu die Welpenschule nicht dienen kann

Eine Welpengruppe kann nicht zur Sozialisierung dienen!!!

Sozialisierung heißt, dass der Welpe viele verschiedene Dinge kennen lernt, die später in seinem Leben dazu gehören. Das sind Objekte und Menschen aller Art, Gerüche, Geräusche. Das sind Dinge wie Autofahren, Besucher akzeptieren, Handling durch bekannte Menschen und auch durch Fremde (z.B. Tierarzt, Hundefrisör).

Im Grunde ist Sozialisierung ALLTAG. Und das findet andauernd statt. Jeder Gassigang ist ein Stückchen Sozialisierung. Wenn der Welpe wirklich nur in dieser einen Stunde in der Woche sozialisiert wird, dann wird das nicht besonders toll enden.

In der Welpenschule trifft man sich meist an einer Stelle und wenn es ein fester Kurs ist, sind sogar immer dieselben Welpen da. Selbst bei einem offenen Kurs sind so ziemlich dieselben Welpen da. Und dieselben Menschen. Und irgendwie läuft es schon ähnlich ab.

Der Welpe kennt das also nach zwei Besuchen und mit Sozialisierung hat das dann wenig zu tun. Klar gibt es mal neue Geräte oder es werden Untergründe geübt, aber aus meiner Sicht sind das eher Anregungen für die Welpenbesitzer, was sie da draußen in der Welt mit ihrem Welpen alles machen können.

Und was ist mit der Sozialisierung mit anderen Hunden?

Wie gesagt: Mit diesen Hunden, die bei der Welpenschule teilnehmen, wird es meist gut klappen. Wenn die Gruppe passt, findet hoffentlich ein nettes Spiel statt und jeder ist mal Häschen und jeder mal Jäger. Und ganz sicher können die Welpen dabei etwas lernen. ABER dadurch ist der Welpe nicht automatisch mit allen anderen Hunden sozialisiert. UND das ist nicht vollautomatisch immer so.

Nehmen wir an, in dieser Welpengruppe sind zufällig drei helle kurzhaarige Hunde, die sehr nett sind und schön miteinander spielen und ein felliger schwarzer Welpe, der sehr rüpelig ist und ein Leiter, der der Meinung ist, die Hunde machen das unter sich aus.

Im blödesten Fall lernt der Welpe jetzt: Helle Hunde sind nett und dunkle Hunde sind doof. Keine besonders gute Voraussetzung für den Alltag. Aber das, was der Welpe an Erfahrungen mit anderen Hunden gesammelt hat.

Und selbst, wenn alle Hunde in der Welpengruppe nett sind, kennt der Welpe genau diese Hunde. Und davon noch keine anderen.

Bevor ich zum Fazit komme, noch ein kleiner Exkurs:

Ein Hund muss nicht mit jedem Hund spielen!

Ich möchte noch ein paar Worte zu der doch irgendwie weit verbreiteten Meinung, dass Hunde immer mit jedem Hund spielen können, sollen, müssen, verlieren. Und mit nicht sehr netten Worten betitelt werden, wenn sie dem ein oder anderen sagen: „Bleib mir vom Hals!“ und knurren oder schnappen, wenn der trotzdem näher kommt.

Mal ganz ehrlich: Möchtest du mit jedem Menschen, der dir begegnet, ausgehen, dich unterhalten und engeren Kontakt knüpfen? Ganz sicher nicht, oder? Und genauso wenig machen das Hunde. An den meisten Hunden geht man im wahren Leben doch einfach vorbei bzw. wäre es der Wunsch des Hundehalters, dass sein Hund einfach ruhig vorbei geht.

Warum wird dann am Anfang häufig genau das Gegenteil geübt? – Ach so, ich muss ja meinen Leinenrambokurs vollkriegen. 😉

Fazit

Natürlich ist jeder seines Glückes Schmied und jeder kann das mit der Welpengruppe so handhaben wie er das möchte. Ich kann dir nur ans Herz legen, die Dinge zu bedenken bei der Wahl der Welpengruppe und dir wirklich reiflich zu überlegen, ob du an einer SPIELgruppe teilnehmen möchtest.

Wie auch immer deine Wahl ausfällt – ich wünsche dir viel Spaß mit deinem Welpen

Claudia

 

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