5 Tipps für die praktische Umsetzung mit deinem Hund

Kennst du das auch? Du liest einen Erziehungstipp oder eine Trainingsanleitung und es hört sich ganz leicht an. Aber in der Praxis geht es auf einmal gar nicht so einfach! Dann lies unbedingt weiter, du bekommst von mir heute 5 Tipps, mit denen du Trainingsanleitungen einfacher umsetzen kannst.

5 Tipps für dich

  1. Mehrmals lesen bzw. schauen
  2. Schreibe das Gelernte in Stichworten auf
  3. Führe Trockenübungen ohne Hund durch
  4. Filme dich und schau dir an, was du tust
  5. Hab Geduld mit dir

Tipp 1: Lies bzw. schau die Anleitung mehrmals

Besonders, wenn das ein ganz neues Thema für dich ist, solltest du die Anleitung mehrfach lesen. Unser Gehirn versucht immer, an bekannten Punkten anzuknüpfen. Wo nicht so viele Punkte zum Anknüpfen da sind, nimmt es erst mal nur ganz grobe Fakten mit und das Meiste wird überlesen und als „unwichtig“ abgestempelt.

Deshalb lohnt es sich, eine Anleitung häufiger zu lesen. Man ist dann oft sehr erstaunt, dass da plötzlich etwas steht, was vorher noch nicht da war. Natürlich stand das auch schon vorher da, aber es gab keinen Anknüpfungspunkt und wurde übersehen. Bei jedem Lesen wird mehr erfasst.

Das Gleiche gilt für Videos. Schau dir ein Anleitungs-Video am besten so oft an, bis du den Ablauf ohne Video vor Augen hast. Und wenn du bei der Umsetzung ein Problem hast, lies oder schau nochmals in die Anleitung. Manchmal ist es wirklich eine Kleinigkeit, die man „vergessen“ hat. Und schon funktioniert es nicht.

Tipp 2: Schreibe dir die Schritte in Stichworten auf

Wissenschaftler haben festgestellt, dass durch Lesen und Anschauen nur sehr begrenzt gelernt wird. Angeblich merkt man sich so nur etwa 10 Prozent. Schreibt man das Gelesene oder Gesehene nochmals auf, bleibt sehr viel mehr hängen. Am meisten lernt man natürlich durch das TUN. Aber um es zu tun, muss man erst mal wissen, was man tun soll.

Deshalb schreib dir beim Lesen in Kurzform die Schritte auf, die du später mit deinem Welpen üben willst. Schreib sie in deiner Sprache und mit knappen Worten. Kurze Sätze, die wie Anweisungen sind, kannst du dir später einfach beim Üben dazu nehmen und sogar abhaken. Das Abhaken motiviert zusätzlich, denn so siehst du, was du schon alles geschafft hast.

Und dir wird bei den Stichworten auch wieder einfallen, was genau du tun sollst. Den Lerneffekt hast du jetzt schon mehr als verdoppelt.

Tipp 3 – Führe Trockenübungen durch

Also ich kann ja rechts und links nicht unterscheiden. Und es passiert mir, dass meine Hände manchmal etwas ganz anderes tun als ich will. Oder ich merke gar nicht, dass ich gleichzeitig 3 Schritte mache, obwohl ich doch ruhig stehen wollte. Aber da ich mich voll auf die Hände konzentriert habe, habe ich leider gar nicht gemerkt, was meine Füße machen.

Wenn in der Anleitung so etwas einfaches steht wie „Lobwort sagen und dann füttern!“ macht es durchaus Sinn, das mal ohne Hund zu üben. Denn ganz schnell passiert es, dass man es anders herum macht oder gleichzeitig. Und dass man aber davon überzeugt ist, alles so gemacht zu haben, wie es da steht. Kommt dann noch die Anweisung dazu, an einer bestimmten Stelle zu füttern oder ein Handzeichen zu machen, wird es noch komplizierter. Und wenn dann noch der Hund und vielleicht eine Leine ins Spiel kommen….

Damit der Hund nicht verwirrt wird, lohnt es sich wirklich, einfach mal den Ablauf nur für sich selbst zu üben. Ganz ohne Hund. Denn wenn du mit Hund nicht mehr darüber nachdenken musst, in welcher Hand du jetzt die Leine hast, wo deine Leckerli sind und wann du dich wie bewegen musst, kannst du viel schneller und besser trainieren.

Ich liebe es, Übungen ohne Hund zu machen, damit mein Hund nicht irgendwelchen Mist baut, weil ich mit mir beschäftigt war anstatt auf ihn zu achten. Leider sehe ich genau das immer wieder. Der Hund lernt langsamer oder sogar das Falsche. Der Mensch ist frustriert, weil es nicht klappt. Und dann wird es am Ende auf die Methode geschoben, die aber nichts dafür kann, wie sie angewendet wird.

Trotzdem möchte kaum jemand Trockenübungen machen. Denn schließlich muss doch der Hund lernen, oder? Ganz ehrlich: Dein Hund muss in der Tat eine Menge lernen, aber ich denke, wir Menschen müssen noch viel mehr lernen. Und da ist es keine Schande, wenn man das langsam und in Ruhe ohne Hund macht. Am Ende geht es dann nämlich viel schneller.

Wann immer man etwas Neues lernt, egal ob eine neuen Sportart, einen neuen Tanz, Autofahren oder stricken legt man ja auch nicht gleich im höchsten Tempo oder mit dem kompliziertesten Muster los. Sondern man eignet sich das Können nach und nach in kleinen Schritten an. Nur beim Hundetraining erwarten viele Menschen von sich selbst, dass sie alles vollautomatisch können. Aber auch da braucht es Übung. Deshalb nochmals: Scheue dich nicht, Trockenübungen ohne deinen Hund zu machen.

Tipp 4: Filme dich

Wenn ich diesen Tipp gebe, streiken ganz viele Menschen. Sie wollen sich nicht auf Video sehen und finden das doof. Aber ganz ehrlich: Du musst das doch niemandem zeigen. Und du darfst es sofort wieder löschen, nachdem du es dir angeschaut hast.

Aber so ein Video hilft dir wirklich ungemein. Bob Bailey – einer der besten Tiertrainer der Welt – sagt immer: Die beste Erfindung nach dem Clicker ist die Kamera.

Von außen sieht man nämlich viel mehr. Ganz häufig denkt man: Das habe ich doch gar nicht gemacht. Wenn man sich auf seine rechte Hand konzentriert, merkt man einfach nicht, was der Rest der Körpers so alles macht. Der Hund nimmt das aber sehr wohl wahr. Und möglicherweise lernt er, dass er „sitz“ machen soll, wenn du den rechten Fuß nach  vorne stellst. Während du denkst, er lernt „sitz“, weil du „sitz“ sagst. Und dann klappt es nicht mehr, wenn du auf einmal etwas anderes mit deinem Fuß machst. Der Hund weiß nicht, was er tun soll. Und du bist sauer, weil er es doch kann….

So etwas kriegst du ohne Video vielleicht nie raus und dann bekommt der Hund den Stempel: „Der ist eben stur!“

Mit Video findest du es ganz schnell heraus. Wenn du dich filmst und dir am besten gleich nach der Übungseinheit das Video anschaust, kannst du sofort überprüfen, was deine verschiedenen Körperteile so alle machen. Ganz ohne, dass du das geplant hast oder bemerkst. Du kannst dann beim nächsten Durchgang leicht überprüfen, ob du es anders machst und es so aussieht, wie du es wolltest.

Für diese Aufnahmen reicht wirklich jedes Handy aus. Ich habe mir zusätzlich noch so ein Ministativ zugelegt. Damit kann ich mein Handy überall leicht positionieren. Ich kann es sogar mal an einem Zaun oder Ast oder der Stuhllehne befestigen, wenn ich in einem bestimmten Winkel filmen möchte.

Ach ja, worauf du unbedingt achten solltest beim Aufnehmen: Man muss DICH auf dem Video sehen. Auch, wenn du – so wie ich – davon überzeugt bist, dass dein Hund eine wesentlich bessere Figur abgibt wie du! Wenn man dich auf dem Video nicht sieht, kannst du es gleich wieder löschen. Zumindest für die Auswertung, was du getan hast, ist es nicht brauchbar. Möglicherweise hast du aber ein süßes Hundevideo. 🙂

Tipp 5 – Hab Geduld mit dir

Der letzte Tipp ist einfach, aber wohl der Wichtigste. Klar muss dein Welpe eine ganze Menge lernen. Aber Hand aufs Herz? Wie viele Welpen hast du bis jetzt großgezogen? Natürlich bekommst du mit jedem Hund ein bisschen mehr Routine. Aber nur, weil es früher bei euch im Haus einen Hund gab, hast du ja keine große Erfahrung bei der Welpenerziehung.

Deshalb gestehe auch dir zu, dass du gerade etwas Neues lernst. Habe Geduld mit dir und gestehe dir Fehler zu. Du kannst dir mit den Tipps hier das Leben erleichtern. Denn wenn du dir diese Tipps nicht nur durchliest, sondern es wirklich so machst, wirst du am Ende viel schneller erfolgreich sein als wenn du einfach drauflos trainierst und dein Hund zunächst mal etwas ganz anderes als das Geplante lernt.

Scheue dich auch nicht – falls es neue Bewegungsabläufe sind – Trockenübungen ohne Hund durchzuführen. Dein Hund wird es dir danken. Und wenn mal etwas gar nicht klappt, geh einfach nochmals einen Schritt zurück. Was für den Hund gilt, gilt auch für dich. Selbst, wenn du schon mit deinem Welpen angefangen hast zu üben, kannst du ihn nochmal wegpacken und eine Trockenübung ohne Hund machen.

Viel Spaß beim Ausprobieren der Tricks wünscht dir

Claudia

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