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Hund schnappt, wenn er vom Sofa soll

Heute bekam ich einen Hilferuf, weil der Hund nach seinen Menschen geschnappt hat, als er vom Sofa runter sollte.

hund will nicht von sofaWarum schnappt der Hund?

Ganz ehrlich, häufig ist es einfach ein Schreck. Der Hund liegt da und schläft oder döst vor sich hin. Plötzlich kommt von hinten ein Mensch, beugt sich womöglich noch über ihn und / oder fasst ihn von oben an. Da kann man schon mal herumfahren, oder?

Wenn du dich schon mal erschreckt hast, kennst du das sicher auch. Und da braucht man nicht mal tief und fest zu schlafen. Es reicht schon, wenn man in eine andere Tätigkeit versunken ist oder irgendwie am träumen ist. Zugegeben, wir Menschen schnappen eher selten, aber wir reagieren auch durchaus mal sauer in so einer Situation.

Viele Hunde finden es auch noch extrem unangenehm, wenn sich jemand über sie beugt oder sie plötzlich und unerwartet angefasst werden. Ein weiterer Grund zu sagen: „Lass mich in Ruhe.“

Und fast alle Hund machen zunächst sogar eine Beschwichtigungsgeste, bevor sie schnappen. Sie wollen dem Menschen damit signalisieren: „Tu mir nix!“ Leider wird das oft nicht bemerkt vom Menschen oder nicht verstanden und er macht einfach weiter. Der Hund hat dann aus seiner Sicht gar keine andere Wahl als es deutlicher zu machen.

Schnappen verstehen die meisten Menschen und ziehen dann ihre Hände und sich selbst zurück. Das Blöde daran ist, dass der Hund jetzt gelernt hat, dass Schnappen gut funktioniert. Und Menschen offensichtlich feinere Signale nicht verstehen. Und so kann es schnell zu einer Strategie des Hundes werden, zu schnappen, wenn ihm etwas unangenehm ist.

Wie geht es besser?

hund vom sofaNun ja, es gibt so einiges, was man besser machen könnte. Auf die folgenden 5 Punkte möchte ich hier mal eingehen:

  1. Wecke keinen schlafenden Hund.
  2. Mache dich bemerkbar und nähere dich nicht plötzlich und ohne Vorwarnung.
  3. Fasse den Hund nicht einfach an.
  4. Lerne die Körpersprache des Hundes besser kennen. Bemerke schon kleine Anzeichen, damit die Situation nicht eskaliert.
  5. Übe solche Situationen

1 – Wecke keinen schlafenden Hund

Okay, es gibt natürlich Situationen, wo du deinen Hund weckst. Wenn du z.B. mit ihm Gassigehen möchtest, ist es schon sinnvoll. Allerdings würde ich bei einem Welpen, wenn es anders geht, dann mit ihm gehen, wenn er sowieso gerade wach geworden ist.

Wecke bitte nicht den Hund einfach nur so, weil dir gerade danach ist. Lass ihn einfach schlafen. Du fändest es sicher auch nicht lustig, wenn dich jemand nachts immer mal aufweckt, nur um dir zu sagen, dass es dunkel ist. Oder weil dem anderen gerade langweilig ist.

2 – Mache dich bemerkbar

Wenn du den Hund schon wecken muss, dann mach dich bemerkbar. Sprich ihn an! Nähere dich nicht plötzlich und schon gar nicht von hinten. Rufe seinen Namen, den du am besten schon vorher mit Hilfe von Belohnungstraining geübt hast.

Und dann kannst du deinem Hund auch mitteilen, was du von ihm möchtest. 🙂

hund runter3 – Fass den Hund nicht einfach an

Vor allen Dingen gilt aber: Fass den Hund nicht einfach an. Selbst der friedlichste und auch der best trainierte Hund könnte in so einer Schrecksekunde schnappen. Er könnte dich in so einer Situation tatsächlich auch erwischen, obwohl er das gar nicht wollte. Eben weil er noch verschlafen ist und hoch schreckt.

Achte auch auf deine Körpersprache, wenn du dich näherst. Beuge dich nicht über den Hund, das finden viele Hunde sehr bedrohlich. Und achte darauf, wie du den Hund anfasst. Hände, die sich von oben nähern, erzeugen meist kein angenehmes Gefühl.

Kinder können das meist sehr gut nachempfinden, da es ihnen ähnlich geht. 🙂

4 – Lerne die Körpersprache des Hundes

Hunde kommunizieren sehr fein über Körpersprache. Leider entgehen uns Menschen sehr häufig die Signale, die der Hund vor dem Schnappen oder Beißen an uns sendet. Das ist extrem schade. Denn man könnte eine Eskalation ganz leicht verhindern, wenn man rechtzeitig bemerkt, dass die Situation dem Hund unangenehm wird.

Beispiel: Du näherst dich dem auf dem Sofa liegenden Hund und der wird „kleiner“ oder zuckt zurück. Anstatt jetzt einfach weiter auf ihn zu zu gehen oder ihn gar anzufassen, kannst du stehenbleiben, dich ein wenig abwenden, mit ihm reden, du könntest dich auch hinhocken und so die Situation deeskalieren.

Dein Hund lernt, dass du ihn verstehst und wird viel mehr Vertrauen zu dir aufbauen.

5 – Übe unangenehme Situationen

hund runterVielen Situationen kann man das Bedrohliche für den Hund nehmen, wenn man sich überlegt, wie man damit so umgehen kann, dass es angenehm ist für den Hund. Im oben genannten Beispiel mit dem Verlassen des Sofas könntest du einfach ein „runter“ auf Wort oder Handzeichen üben. Schon ist das Problem gelöst.

Findet der Hund das Anfassen generell nicht so toll, kann man auch das sehr schnell angenehm machen. Aber auch, wenn man das Anfassen geübt hat, sollte man solche Schreckmomente vermeiden.

Schnappt der Hund z.B., wenn man sich dem Futternapf nähert, kann man das auch ganz einfach üben, indem man immer etwas Tolles in den Napf tut, wenn er frisst. Schau mal HIER.

Es ist also eine gute Idee, die Warnung des Hundes ernst zu nehmen, die Situation zunächst mal zu deeskalieren, sich dann zu überlegen, wie man üben könnte, dass es gut klappt und das dann mit dem Hund übt. Und keine Angst. Der Hund übernimmt nicht die Weltherrschaft, weil du ihn nicht unterwirfst, wenn er schnappt. Vielmehr wird er Vertrauen zu dir aufbauen, wenn er bemerkt, dass du auch kleine Signale von ihm erkennst und Sorge dafür trägst, dass er sich wohl fühlt.

Damit du dir vorstellen kannst, wie das beim Runter-vom-Sofa-Problem aussehen kann, schau dir jetzt das Trainingsbeispiel für diese Situation an.

Trainingsbeispiel für „Runter vom Sofa“

In diesem Video zeige ich dir, wie du in wenigen Minuten üben kannst, dass dein Hund auf ein Wort bzw. eine Handbewegung hin vom Sofa oder Sessel springt. Völlig stressfrei für alle Beteiligten.

Es kann sein, dass du ein paar Wiederholungen mehr brauchst als ich im Video, aber mit den richtigen Leckerli geht es wirklich ganz schnell. Schau selbst:

Welche Situationen findet dein Hund doof?

Schreib doch in die Kommentare, welche Situationen dein Hund nicht so toll findet. Wo wird er kleiner oder zuckt zurück? Oder wo geht er tatsächlich nach vorne und sagt ganz deutlich: Bleib mir vom Hals?

Überlege dir, wie du die Situation mit dem Hund üben kannst. Vielleicht hilft es auch, wenn du sie etwas „umgestaltest“.

Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Claudia

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Jana - 31. März 2018

Hallo Claudia,

danke für den Impuls, unangenehme Sachen einfach nochmal zu üben. 🙂 Das runter gehen vom Sofa ist zwar kein Problem bei uns, aber es hat mich auf die Idee gebracht, wieder besser an einer anderen Baustelle zu arbeiten: dem Anziehen. Wir haben einen Xolo (Mex. Nackthund) und wenn es draußen kalt ist, braucht er entsprechende Kleidung. Wir haben das Anziehen auch von Klein auf geübt und es klappt ganz wunderbar – wenn wir schon damit angefangen haben. Sobald wir den Mantel zücken, läuft Dante allerdings gerne mal weg oder macht sich klein, bis er irgendwann „nachgibt“. Das könnte insgesamt noch deutlich stressfreier für uns sein, also werden wir da mal wieder ein bisschen üben. 😉 Ich finde, dass sich gerade im Alltag manchmal solche Situationen einschleifen, die noch nicht wirklich optimal laufen, die man aber manchmal übergeht, weil es zur Gewohnheit wird, schnell gehen muss, etc..
Also, schöne Ostern und viele Grüße,
Jana

Reply
Ela - 13. April 2018

Interessant und lieben Dank Claudia!
Ich hab das Problem, dass mein Hund in den Spielmodus geht (Oberkörper abducken, halbliegend- hoppst hin und her in der Stellung und guckt mich an) und er dann eben spielerisch vor mir zurück weicht, wenn ich mich ihm nähere bzw auch die Kommandos nicht ernst nimmt. Das kann ich dann nicht abstoppen. Es dauert immer eine ziemlich lange Phase, in der ich ihn ignoriere, ehe ich wieder mit ihm arbeiten kann. Was mach ich denn falsch in der Kommunikation?
Liebe Grüße und danke auch für das Ostereier suchen- meinem Teddie hat das viel Spaß gemacht!
Liebe Grüße Ela

Reply
    Claudia Hußmann - 16. April 2018

    Hausleine dran wie beschrieben. Problem gelöst.
    Oder du gehst einfach, wenn er das macht. Dann macht das nämlich keinen Spaß.

    Reply
Nico DO - 23. Mai 2018

Da kann ich auch was beitragen:
Geschirr anziehen ist schon mal blöd, lässt unser Border Collie aber über sich ergehen, besonders da es hin und wieder ein Leckerli gibt. Das Geschirr nutzen wir nur an der Schleppleine oder im Auto: Anschnallpflicht halt, besonders im Cabrio. Genau da meint er immer wieder sich durchsetzen zu müssen. Rein in’s Cabrio, auf den Rücksitz ohne Probleme. Cabrio fahren liebt er. Nur halt das anschnallen nicht. Da muss dann halt der Maulkorb drauf.

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    Claudia Hußmann - 24. Mai 2018

    Der arme Hund! 🙁
    Warum übt ihr nicht das Anziehen des Geschirrs?

    Reply
Bianca - 2. September 2018

Wir haben seit einem halben Jahr einen rumänischen Strassenhund. Soweit läuft alles super. Aber er schnappt ab und zu bei Personen die er nicht so gut kennt und wenn er sich von ihnen bedrängt fühlt. Wie können wir das ändern?Bei Leuten,die sie kennt gibt’s keine Probleme. LG BIANCA

Reply
    Claudia Hußmann - 6. September 2018

    Indem ihr darauf achtet, dass ihn niemand bedrängt. Ich möchte auch nicht von Personen bedrängt werden, die ich nicht so gut kenne. 🙂

    Reply
Maria - 12. Juli 2019

Hallo Claudia.
Wie verhalte ich mich denn richtig,wenn mein Hund schnappen will?
Ich weiß jetzt,durch diesen Beitrag,das die Situation gerade falsch war von meinem Mann.
Er wollte Elvis aus dem Bett heben (von oben und nur mit leiser Stimme) als er dann nach ihm schnappte.
Jetzt im Nachhinein verstehe ich völlig,dass Elvis es nicht gut fand. In Zukunft werden wir auch besser drauf achten,wie wir uns richtig verhalten. Allerdings war es diesmal zu spät und er hat geschnappt. Also, wie Verhalten wir uns richtig, wenn wir vielleicht mal wieder nicht richtig erkennen.

Reply
    Claudia Hußmann - 16. Juli 2019

    Ihn in Ruhe lassen und es beim nächsten Mal besser machen.
    Die Stufe nach schnappen ist dann beißen. Das würde ich nicht herausfordern.

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