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Auszeit richtig einsetzen

auszeitNachdem ich schon die gruseligsten Dinge über die Auszeit gelesen habe, möchte ich hier einfach nochmal erklären, was genau das ist, wann man es einsetzt und welche Fehler man nicht machen sollte.

Training ist immer die erste Wahl

Zunächst mal möchte ich klar stellen, dass das Training von erwünschtem Verhalten über positive Verstärkung immer die erste Wahl sein sollte. Wenn dein Hund etwas tut, das dir nicht gefällt, überlege dir, was er statt dessen tun soll. Und genau das kannst du dann trainieren.

Manchmal braucht es allerdings ein bisschen Zeit, bis ein Verhalten so trainiert ist, dass es in jeder Situation auch so klappt, wie du dir das vorstellst. In so einem Fall ist häufig Management für diese Übergangszeit gefragt. Das sind sozusagen Notlösungen, mit denen man ein unerwünschtes Verhalten verhindern kann, bis der Hund das erwünschte Verhalten gelernt hat.

Die Auszeit ist eine solche Notlösung, die die Ausnahme bleiben sollte.

Was ist die Auszeit?

Bei der Auszeit wird der Hund nach einem entsprechenden Warnwort wie z.B. „Schluss“ für kurze (!!!) Zeit vor die Tür gesperrt, in seinen Auslauf gesetzt, in die Hundebox verfrachtet oder der Mensch geht und macht die Tür hinter sich zu.

Es geht einfach darum, dass er mit dem unerwünschten Verhalten, das er gerade ausführt, nicht weitermachen kann.

Beispiel: Der Welpe beißt in die Hände und anstatt aufzuhören, wenn man aufschreit, macht er erst so richtig weiter. In so einem Fall sagt man „Schluss“ und setzt den Welpen vor die Tür oder geht selber raus und so hat er keinen Zugriff mehr.

Nach einer Minute – jedenfalls, wenn er gerade still ist und nicht an der Tür kratzt – darf er wieder rein und hat einen neuen Versuch.

Ein Auszeit ist also KEIN stundenlanges Aussperren, sondern ein kurzer Besinnungsmoment für den Welpen, in dem er sich hoffentlich wieder beruhigt und beim nächsten Versuch friedlicher ist.

Wie funktioniert die Auszeit genau?

  1. Überlege dir zunächst ein „Warnwort“. Mit diesem Wort kündigst du sozusagen die Auszeit an und dein Hund hat noch die Chance, sein Verhalten zu verändern und damit die Auszeit zu verhindern. Mir gefällt „Schluss„, „Schluss jetzt“ oder „es reicht“ ganz gut.
  2. Wenn dein Hund ein Verhalten an den Tag legt, das für dich inakzeptabel ist und er nicht auf dein Abbruchsignal oder deinen positiven Unterbrecher reagiert oder weiter beißt, wenn du ihn ignorierst, sagst du genau EINMALSchluss„, dann schnappst du ihn dir wortlos und setzt ihn vor die Tür.
  3. Da er ja lernen soll, mit dem Verhalten, das du nicht haben möchtest, aufzuhören, lässt du ihn nach einer Minute wieder rein und er bekommt eine neue Chance. Fängt er wieder mit dem unerwünschten Verhalten an, z.B. zu beißen, sagst du „Schluss“ und setzt ihn wieder raus, wenn er dann nicht SOFORT aufhört.
  4. Wiederhole Schritt 3, bis dein Hund am besten gar nicht mehr mit dem unerwünschten Verhalten anfängt oder bei „Schluss“ SOFORT damit aufhört.
    Bei einem sensiblen Hund kann das bereits nach der ersten Auszeit der Fall sein. Normalerweise benötigt man so ca. 3 – 10 Auszeiten. Bei sehr hartnäckigen Kandidaten können aber auch mal 50 Auszeiten notwendig werden. Eine gute Idee ist es auch, ihm beim Reinkommen gleich etwas anderes zu tun zu geben.
  5. Überlege dir aber auf jeden Fall, was du alternativ für ein Verhalten haben möchtest und trainiere das mit deinem Hund.

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Welche Probleme kann es bei der Auszeit geben?

So einfach die Auszeit im Prinzip ist, man kann doch ein paar Dinge falsch machen, die dazu führen können, dass die Auszeit nichts bringt.

Zu lange Auszeit

Neuer Versuch nach einer Minute AuszeitNochmal: Die Auszeit ist kein Aus- oder Wegsperren des Hundes über einen längeren Zeitraum, sondern unterbricht nur kurz ein unerwünschtes Verhalten, indem man es durch Management – Hund raus oder Mensch geht – verhindert.

Damit der Hund aber lernt, dass er durch sein Verhalten beeinflussen kann, ob es eine Auszeit gibt, muss er auch die Chance bekommen, etwas anderes auszuprobieren. Die hat er aber nur, wenn man die Auszeit wieder beendet. In der Regel dauert die Auszeit also etwa eine Minute.

Das lustige Es-geht-in-die-Auszeit-Spiel

Manche Hunde lernen sehr schnell, dass es bei „Schluss“ vor die Tür geht und sozusagen tatsächlich Schluss mit Lustig ist. 😉

Sie fangen dann an, ein lustiges Nachlaufspiel oder ein kleines lustiges Kämpfchen mit ihrem Menschen beim Rausbringen zu veranstalten. Das ist natürlich nicht das, was du erreichen wolltest. Denn dabei hat der Welpe einen Riesenspaß und somit ist es eine Belohnung.  😯

In so einem Fall befestigst du am besten eine sogenannte Hausleine an deinem Hund, hausleine für das Auszeit-Trainingwann immer du Zuhause bist. Die Hausleine ist maximal einen Meter lang, sehr leicht und hat keine Haken oder Ösen, damit der Hund nicht hängenbleibt. Ein Stück Wäscheleine reicht schon aus.

Jetzt brauchst du deinen Hund nicht mehr anzufassen, sondern schnappst die sofort nach dem „Schluss“ die Leine und es geht KOMMENTARLOS raus. So macht das Spiel nämlich keinen Spaß und du belohnst deinen Hund nicht unbeabsichtigt.

„Dann randaliere ich eben draußen“-Hunde

Wenn der Hund vor der Tür anfängt zu bellen, zu jaulen, zu winseln oder an der Tür hochzuspringen, musst du unbedingt so lange warten, bis er einen Moment ruhig ist, bevor du ihn wieder herein lässt. Sonst lernt er, dass sich genau dieses Verhalten lohnt.

Wie lange ist ein Moment? Im ersten Schritt kann ein Moment eine halbe Sekunde sein. Nämlich genau die halbe Sekunde, wo der Hund Luft für den nächsten Beller holt oder kurz mit Kratzen aufhört um zu horchen, ob sein Mensch kommt.

Genau diesen Moment passt du ab, machst die Tür auf, forderst den Hund auf, wieder reinzukommen (Hast du schon das Warten an Türen geübt?), als wäre nichts gewesen. Nach und nach muss er sich dann länger ruhig verhalten, damit er wieder rein darf. Eine Sekunde, zwei Sekunden, usw. bis er schließlich 10 Sekunden schafft.

Du solltest mit solchen Hunden parallel unbedingt das Alleinbleiben üben.

Der fängt SOFORT wieder an

Wenn dein Hund SOFORT nach dem Reinkommen wieder mit seinem unerwünschten Verhalten loslegt, überlege dir eine Alternative. Was könntest du ihm sinnvolles anbieten, wenn du ihn das nächste Mal rein lässt.

Vielleicht verstreust du einfach ein paar Leckerli auf dem Boden und lässt ihn suchen?

Oder du bereitest einen gefüllten Kong vor, mit dem er sich in sein Hundebett begeben und den er leer futtern kann?

Möglicherweise kannst du auch ein paar ruhige Übungen machen. Wie wäre es mit der Deckenübung?

Auch die Hundebox-Spiele sind eine gute Alternative!

Nur, wenn du sicher bist, dass dein Hund völlig überdreht ist, weil er hoffnungslos übermüdet ist, ist es eine gute Alternative, die Auszeit auf 5 bis 10 Minuten auszudehnen. Denn in dieser Zeit schläft der übermüdete Hund in der Regel ein. Und Schlaf ist in diesem Fall die beste Medizin.

Das macht dem nix aus – der schläft einfach

Na, um so besser! Dann war dein Hund wahrscheinlich nur so „unleidlich“, weil er schon völlig übermüdet war. Lass ihn schlafen und seine Erlebnisse verarbeiten. Es geht ja nicht darum, den Welpen mit der Auszeit zu strafen, sondern darum, ein Verhalten kurz zu unterbrechen, wenn nichts anderes funktioniert.

Gönne deinem Hund in Zukunft etwas mehr Pausen und sorge dafür, dass er genug Ruhe bekommt, wenn er selber es nicht macht. Lies mal HIER, wieviel Schlaf Hunde brauchen.

Fazit zur Auszeit

Eine Auszeit kann sehr hilfreich sein – für ALLE Beteiligten. Sie sollte aber nicht die Regel sein. Wenn du deinen Hund andauernd in die Auszeit schicken musst, läuft etwas falsch.

Überlege dir immer, welches Verhalten du gerne hättest und trainiere es. Und vergiss nicht, erwünschtes Verhalten zu belohnen, denn dein tut dein Hund es automatisch öfter.

Claudia

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Tobias B. - 3. November 2014

Liebe Claudia Hußmann,

vielen Dank für deine Seite.
Ich habe jetzt 2 Mal Welpenschule hinter mir und muss sagen, ich bin von dem Umgang mit den Hunden da total verunsichert und auch ein bisschen schockiert. Da wird meinem 3 Monate alten Bolonka versucht Platz beizubringen, und wenn ers nicht macht, wird er in die Position gedrückt, so dass der anfängt zu knurren. Und das wird ihm dann erst recht verboten. Da wird mit Leinenruck, Schnauzgriff und sonstigen Dingen gearbeitet, die ich für sehr fragwürdig halte. Jetzt bin ich auf deine Seite gestoßen und finde das hört sich nach einem sehr guten, welpengerechten Umgang an.
Mein Welpe ist eigentlich sehr umgänglich. Ich habe versucht ihm ein „Nein“ beizubringen. Er beißt in die Hand, ich sage „Nein“, meistens schaut er mich dann an, ich lobe ihn und er krieg ein Leckerli oder ein anderes Spielzeug zum kauen. Wenn er mal total aufgedreht ist, und nicht aufhört, bekommt er eine Auszeit. Das funktioniert prima.
Jetzt hat er aber gemerkt, dass ich wenn ich ihn bei einem Spaziergang hochheben will, (meistens unten an der Treppe), dass der Spaziergang zu Ende ist. Er kommt dann nicht, und spielt ein lustiges „fang mich doch“ Beißspiel mit meiner Hand. Ich habe dem entgegengewirkt, dass ich schon vorher die Leine anmache, dann kann er nicht abhauen an der Treppe. And der Treppe springt er aber an der Leine rum, knurrt und verbeisst sich in meine Hand. Ich denke es ist schon spielerisch, aber ich weiss nicht wie ich das beenden soll. Ich kann ihn ja nicht aussperren. Hast du einen Tipp, sowas wie eine Auszeit für draußen? Ich hab mal versucht einfach auf die Leine zu treten und nicht mehr zu beachten, bis er sich beruhigt hat. Ich hab das mal irgendwo gelesen und hat auch ganz gut funktioniert, aber wie gesagt, mittlerweile bin ich überhaupt nicht mehr sicher, ob etwa sinnvoll verkehrt ist.

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    Claudia Hußmann - 15. November 2014

    Hallo Tobias,
    hör einfach auf dein Bauchgefühl. So etwas macht man nicht mit seinem besten Freund.
    Such dir eine gute Hundeschule und wenn es die nicht gibt, verzichte lieber ganz drauf.

    Du machst das schon richtig mit der Leine im Vorfeld. Behalte das bei und belohne deinen Hund jedes Mal, wenn ihr reinkommt. Dann freut er sich mit der Zeit darauf und es wird auch wieder ohne Leine gehen.

    Viele Grüße
    Claudia

    Reply
Anja - 4. Juli 2017

Hallo Claudia!! Deine Tipps sind klasse und ich trainiere meine fast 12 Wochen alte ital. Windspiel Dame Abby auch danach. Jetzt hätte ich drei Fragen. Wie kann man die Auszeit einbauen wenn man unterwegs ist und sie beim spielen zb. Mit Kindern total aufdreht? (Wie ein Gummiball von links nach recht, ins Gesicht, Menschen die an biden sitzen als „springschanze“ nutzt? Sie ist soo schnell und dreht dann so hoch. Ich hab sie bis jetzt dann immer an die kurze Leine genommen aber dann zappelt sie wie eine verrückte und wickelt sich total in der Leine ein. Ich bin dann immer verführt sie auf den Arm zu nehmen und wirklich fest zu halten bis sie sich beruhigt aber das ich ja eher Aufmerksamkeit schenken. Zweite frage wäre: ich habe zwei Katzen zuhause die sie eigentlich auch ganz gut akzeptieren aber wenn die eine losrennt weil Abby fröhlich auf sie zu kommt rast Abby ihr hinterher bis sie sich auf den kratzbaum o.ä. Retten kann. Ich will aber dass auch die Katzen stressfrei in der Wohnung leben können. Was kann ich da tun ohne Wörter wie „nein!“ Etc benutzen zu müssen? Oder macht es hier doch sinn? Und die dritte Frage zur leinenfüheigkeit. Abby hat schon verstanden dass sie, wenn sie zieht, und ich wie ein Baum stehen bleibe zu mir zurück kommen muss und erst dann geht es weiter. Allerdings quengelt sie ununterbrochen dabei, fieot und wimmert (meist weil sie schnell wieder nach hause oder zum Auto will. Wie belohne ich jetzt dass sie sich brav orientiert und zurück kommt ohne das gefiepe und gewimmer positiv zu bestärken? Vielen Dank schonmal 🙂 lg Anja

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    Claudia Hußmann - 16. Juli 2017

    Eine Menge Fragen. Bitte benutze doch mal die Suchfunktion hier auf der Seite. Da findest du Antworten.

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Mein lieber Hund Podcast -Epi 46 - Mein Welpe beißt - was soll ich tun? - 10. September 2018

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