Haben Hunde ein schlechtes Gewissen?

Immer wieder höre ich von Menschen: „Mein Hund weiß genau, was er getan hat. Er hat ja sogar gezeigt, dass er ein schlechtes Gewissen hat und kam angekrochen.“

Aber stimmt das tatsächlich? Können Hunde ein schlechtes Gewissen haben?

Was ist dran am schlechten Gewissen vom Hund?

Gehen wir die Sache doch mal ganz pragmatisch an und stellen uns ein paar Fragen:

  • Wie wichtig ist einem Hund wohl unser teurer Wanderstiefel?
  • Weiß er, dass der mehr gekostet hat als der olle Filzpantoffel?
  • Bist du sicher, dass er weiß, dass Kauen auf dem Zergel „gut“ und Kauen an der Fußleiste „böse“ ist.
  • Als dein Hund das erste Mal in deiner Abwesenheit etwas „angestellt“ hat, kam er da auch schon zur Haustür „gekrochen“ oder kam gar nicht erst? Denk genau nach, bevor du antwortest!
  • Glaubst du wirklich, dass dein Hund solche Wertvorstellungen hat wie wir Menschen? Dann frag ihn doch mal, ob er lieber einen 500-Euro-Schein oder eine Bockwurst haben möchte! 😉

Im Grunde merkst du schon, dass das irgendwie nicht so richtig hinhaut mit den Werten. Ein schlechtes Gewissen kann man aber nur haben, wenn man solche Werte hat und mit richtig oder falsch bzw gut oder böse einstuft.

Warum sieht es so aus als hätte der Hund ein schlechtes Gewissen?

Angst„Aber der ist doch gar nicht erst zur Haustür gekommen, als er das Sofa zerpflückt hat. Der wusste doch ganz genau, dass er etwas Falsches gemacht hat. Und dann hat er sich gleich auf den Rücken gelegt.“

Ich wette mit dir, dass dein Hund beim ALLERERSTEN Mal, als er etwas kaputt gemacht hat, dich genauso freudig an der Tür begrüßt hat wie immer. Allerdings ist deine Stimmung – verständlicherweise – dann etwas gesunken, als du die Bescherung gesehen hast.

Unsere Hunde sind sehr gut im Lesen von Körpersprache und Stimmungen und natürlich merkt dein Hund, wenn du sauer bist. Selbst wenn du ihn nicht anschreist oder sogar schlimmeres.

Hunde setzen Beschwichtigungsgesten ein

Wenn Hunde merken, dass ihr Gegenüber sauer wird, setzen sie sogenannte Beschwichtigungsgesten ein. Dazu gehören so kleine Dinge wie vermehrtes über die Nase lecken, gähnen, blinzeln, Kopf abwenden, etc. Aber da wir Menschen nicht ganz so gut sind im Lesen von Körpersprache, müssen die Hunde oft klarere Gesten einsetzen und dazu gehört dann auch so etwas wie angekrochen kommen, auf den Rücken drehen, urinieren, klein machen, Versuche, den Menschen abzulecken usw. – also Dinge, die der Mensch nicht mehr übersehen kann.

Ziel dieser ganzen Aktionen ist, dass der Mensch wieder beruhigt und besänftigt wird und quasi eine Bitte vom Hund an den Menschen „Tu mir nichts!“

Warum macht der Hund es schon gleich?

Weil er gelernt hat, wenn der Mensch nach Hause kommt, könnte dicke Luft sein. Er beugt also schon mal vor, indem er von vornherein beschwichtigt. Vielleicht ist es dir sogar schon mal passiert, dass dein Hund sein angeblich „schlechtes Gewissen“ gezeigt hat und du dich gewundert hast, weil alles in Ordnung war!

Eventuell zeigt dein Hund aber tatsächlich nur dann Beschwichtigungsgesten, wenn er tatsächlich etwas zerlegt hat? Auch dann hat er kein schlechtes Gewissen. Er hat nur ganz einfach verknüpft: „Wenn hier etwas herumliegt und Mensch nach Hause kommt, ist schlechte Stimmung angesagt!“

Aber auch in diesem Fall ist der einzige Sinn diesen Verhaltens, dich zu besänftigen.

Ein Kreislauf entsteht

Das Dumme daran ist, dass sehr leicht ein Kreislauf entsteht. Der Hund gerät in Stress, weil sein Mensch weg ist, hat gleichzeitig Panik vor der Heimkehr, weil dann Ärger droht. Und gegen Stress hilft sehr gut kauen – und da ist es ziemlich egal, was Hund zwischen die Zähne bekommt. Erst mal beruhigt es.

Auf der anderen Seite denkt der Mensch „Hoffentlich ist nicht schon wieder etwas kaputt!“ und ist schon entsprechend angespannt, wenn er nach Hause kommt.

So entsteht auf beiden Seiten – bei Hund und Mensch – sehr viel unnötiger Stress, den man mit ein bisschen Management vermeiden kann.

Management

Wenn man einen Welpen/Junghund hat, sollte man die Wohnung sowieso welpensicher machen. Schuhe wegräumen, wertvolle Teppiche raus, etc. Darüber hinaus ist es gut, wenn man einen hundesicheren Raum hat, wo es auch nicht so schlimm ist, wenn mal ein Stück Tapete abgefressen wird.

Den Hund sinnvoll auslausten und ihm ein paar Dinge, die er gerne mag, zum Kauen anzubieten, gehört ebenfalls zum Management. Ich bevorzuge es, immer nur ein bis zwei Dinge zu geben und die jede Woche auszutauschen, dann bleiben sie interessanter.

Training

Auf jeden Fall sollte man von Anfang an das Alleinbleiben mit dem Welpen üben. Damit vermeidet man Stress und kann sehr gut solchen Zerstörungsattacken vorbeugen.

Eine gute Alternative zu einem welpensicheren Raum ist eine Hundebox oder einen Welpenauslauf. Natürlich macht man ein entsprechendes Training und stopft den Hund nicht einfach in die Hundebox.

Die Hundebox hat noch eine Menge weitere Vorteile. Schau einfach mal HIER und HIER.

Dein Hund hat kein schlechtes Gewissen

Ich hoffe, du hast verstanden, dass dein Hund kein schlechtes Gewissen hat und reagierst auf seine Beschwichtigungsgesten in Zukunft mit dem angebrachten Verständnis. 😉

Im übrigen würde ich mir wünschen, dass du mit entsprechendem Training und Management dafür sorgst, dass dein Hund stressfrei alleine bleiben kann und so beide Seiten ganz entspannt bleiben können.

Mal ein paar Stunden in einer gut trainierten Hundebox zu schlafen und dann einen fröhlichen und entspannten Menschen zu begrüßen, ist nicht nur für dich schöner, sondern ganz sicher auch für deinen Hund. Denn er konnte in dieser Zeit ebenfalls entspannen anstatt sich aufzuregen und wird es dir mit angenehmen Verhalten danken.

Claudia Hußmann

P.S.: Übrigens habe ich auch eine Podcast-Episode zum Thema Körpersprache des Hundes aufgenommen. Vielleicht magst du dir die anhören?

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