Wenn der Hund einen Fehler macht…

oder anders gefragt: Kann der Hund überhaupt einen Fehler machen? Können wir einen Fehler machen? Ist ein Fehler etwas Schlimmes?

Wenn der Hund einen Fehler machtWas ist ein Fehler?

Bei Wikipedia habe ich folgende Definition gefunden:

Ein Fehler ist die Abweichung eines ZustandsVorgangs oder Ergebnisses von einem Standard, den Regeln oder einem Ziel.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fehler)

So gesehen ist ein Fehler also überhaupt nichts Schlimmes, sondern bezeichnet einfach nur das Geschehen, dass etwas nicht den Erwartungen entspricht.

Und die Erwartungen des einen müssen ja nicht denen eines anderen entsprechen. Häufig gibt es da durchaus Missverständnisse sogar bei Menschen. Obwohl man denen ja ein Ziel erklären kann, was beim Hund nicht geht.

. Keine Lust zum Lesen? – Dann hör es dir einfach an:

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Fehler sind völlig okay!

In unserer Gesellschaft bekommt man von Kindesbeinen an eingetrichtert, dass Fehler etwas „Schlechtes“ sind. So lange alles glatt läuft, ist die Welt in Ordnung! Aber wehe, es passiert ein Fehler.

Im Schulheft ROT markiert lernen die Kids schon: Fehler sind nicht gut. Und das zieht sich durch. Durchs ganze Leben.

Auch im Arbeitsleben: Wer war es? Wer ist schuld? – Und anstatt sich damit zu beschäftigen, wie man dafür sorgen kann, dass es wieder glatt läuft, wird nach Schuldigen gesucht.

Vielleicht hat jemand sogar einen „Fehler“ gemacht, also etwas getan, was dazu geführt hat, dass nicht das Erwartete eingetreten ist. Das machen aber die Wenigsten mit Absicht. Und Vorwürfe im Nachhinein nützen wenig bis gar nicht. Es sei denn, jemand macht es mit Absicht. Aber der sieht das dann sicher auch nicht als Fehler.

Und dann stellt sich ja noch die nächste Frage: Wer hat denn den Standard, die Regel oder das Ziel festgelegt? Ist das überhaupt sinnvoll? Vielleicht zeigt der Fehler ja auch einfach nur, dass eine andere Möglichkeit viel besser wäre.

Heute kann links rum fahren ein Fehler sein, weil ich auf dem Weg nicht zum Ziel komme. Morgen ist mein Ziel vielleicht ein anderes und links rum fahren ist genau richtig. Ist „links rum fahren“ also eine Fehler oder nicht?

Ein Fehler ist eine Information

Fehler = InformationIch möchte dich heute dazu anregen, Fehler völlig neutral zu sehen. Einfach als eine Information wie jede andere auch. Ganz ohne Wertung.

Ein Fehler ist eine Information. 🙂 Klick um zu Tweeten

Bei meiner Fortbildung zum Trainingsspezialisten Hund bei Katja Frey war dies eine der wichtigen Erkenntnisse. Und diese Erkenntnis macht das Leben so viel angenehmer.

Etwas ist nicht so gelaufen oder läuft nicht so, wie du es dir gedacht hast? – Dann hast du jetzt die Information, dass zumindest im Moment der Weg nicht zu funktionieren scheint!

Ist das schlimm? – NEIN, überhaupt nicht. Du hast etwas gelernt und du kannst etwas anderes probieren. Vielleicht klappt das super, vielleicht geht auch das nicht. Aber das ist okay. Denn es gibt so viele Möglichkeiten!

Und was hat das mit Hundeerziehung zu tun?

Nun ja, ich höre nicht so ganz selten:

  • „Der Hund hat das falsch gemacht!“ oder
  • „Der Hund ist stur, der macht ständig Fehler!“ oder auch
  • „ICH mache dauernd nur Fehler bei der Erziehung!“ oder
  • „Ich möchte von Anfang an alles richtig machen.“

Die Ansprüche an Mensch und Hund sind also gleichermaßen hoch. Und „Fehler“ machen wollen wir unbedingt vermeiden.

Warte nicht auf „Fehler“

Was leider ganz häufig bei der Hundeerziehung gemacht wird und was nicht nett für den Hund ist: Der Hund wird für einen „Fehler“ gestraft und korrigiert. Bitte denke daran, dass dein Hund nicht deine Erwartungen, Regeln oder Ziele kennt!

Warte nicht auf Fehler! Belohne erwünschtes Verhalten. Klick um zu Tweeten

Es ist also nicht fair, den Hund sozusagen in die Falle laufen zu lassen und ihn zu bestrafen anstatt ihm auf nette Art zu zeigen, was er tun soll und ihn dafür zu belohnen.

Aber du kannst ja anders damit umgehen, wenn dein Hund nicht das von dir Erwartete tut!

Freue dich über Fehler!

fehler = freudeIch war im April dieses Jahres auf einer Fortbildung und der Referent hat uns aufgefordert, sich über jeden Fehler zu freuen. Über die des Hundes und über die eigenen!!!!

Puh – weißt du, wie schwer das ist?

Besonders die Situationen, wo man selbst nicht so optimal trainiert, wie man es möchte und nicht der Hund macht den „Fehler“, sondern man selbst! Dann nicht das Gesicht zu verziehen, sich über sich selbst zu ärgern oder „Mist“ zu sagen, ist für mich eine echte Herausforderung!

Es fällt mir relativ leicht, beim Hund einen „Fehler“ einfach als Information zu nehmen. Ich frage etwas ab und der Hund macht es nicht, bedeutet für mich: Ich überlege, was jetzt gerade in dieser Situation dazu geführt haben könnte, dass mein Hund es offensichtlich nicht kann.

Mit mir selber bin ich da wesentlich ungnädiger! Aber ich arbeite daran.

Freue dich über Fehler, weil du daraus lernen kannst. Klick um zu Tweeten

Und es ist in der Tat ein Unterschied für deinen Hund, ob du dich über dich selbst ärgerst oder einfach sagst:

„Juchuu – ich habe einen „Fehler“ gemacht. Daraus kann ich etwas lernen. Das ist super.“

Fazit

Mir fällt es immer schwerer, das Wort „Fehler“ zu verwenden, weil es so negativ besetzt ist. Bei sehr vielen Menschen löst das Wort keine guten Gefühle aus. Das ist so schade!

Denn wenn wir einen Fehler einfach als Information annehmen, dann ist er etwas ganz Wunderbares! Wir können daraus nämlich ganz viel lernen und uns weiter entwickeln.

Ich würde mich freuen, wenn du einfach mal ausprobierst, ob du so mit Fehlern umgehen kannst und schaust, was passiert.

Wie geht es dir mit Fehlern?

Außerdem würde mich interessieren, ob das Wort bei dir auch negative Gefühle auslöst. Und ob du quasi schon „rot“ siehst, wenn du das Wort hörst oder liest?

Gibt es ein Wort, das „Fehler“ im Sinne der Information sinngemäß ersetzen könnte und weniger negative Gefühle auslöst? Was könnte man sagen anstatt „Der Hund hat einen Fehler gemacht!“

Denn er hat ja eigentlich nicht mal einen Fehler gemacht. Ich weiß ja nicht mal, ob er die Regeln oder das Ziel kennt. Das ist ja nur in meinem Kopf.

Vielleicht findest du ja meine Gedanken zu dem Thema auch völlig überflüssig und bist der Meinung, es ist völlig egal, wie man es ausdrückt!

Ich bin gespannt. Schreib deine Meinung gerne in den Kommentar.

Claudia

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10 Replies to “Wenn der Hund einen Fehler macht…”

  1. Pingback: Episode 54 - Wenn der Hund einen Fehler macht... - Hundeschule Mein lieber Hund

  2. Liebe Claudia, vielen Dank für diese sehr anregenden Gedanken, wie für die vielen sehr hilfreichen Informationen überhaupt.
    Eine positivere Formulierung für Fehler fällt mir leider gerade nicht ein, aber ich werde in Zukunft bei meinem Hund und nach den Ferien auch im Beruf ( bin Lehrerin für Mathe und Chemie ) versuchen diese positive Deutung Fehler =Information umzusetzen.
    Ich bin der Ansicht, dass dies sehr hilfreich sein kann- auch bei meinen eigenen Fehlern.
    Viele Grüße,
    Eva

  3. Das ist wirklich hilfreich und ich werde daran denken!
    Fehler als Hilfe, neu und kreativ zu denken…
    vielleicht ist es schwieriger je besser man ist, weil man zu recht eine hohe Erwartungshaltung an sich hat!

    Häufig sage ich mir: „ das habe ich gerade anders erwartet!“
    Fällt mir bei mir selbst auch nicht leicht…
    Danke! Das ist eine gute Anregung!

  4. Hallo Claudia,
    das mit den Fehlern ist wirklich so eine Sache. Ich bin systemische Coach und da sollte ja das Wort Problem vermieden werden aus ganz ähnlichen Gründen. eine Freundiin hat mir vorgeschlagen, als ich meinen Welpen bekommen habe: Versuch einfach zu lachen, wenn sie was macht was dir nicht paßt. – Und ich kann sagen, wenn ich das schaffe, hilft das enorm – und beiden nämlich.
    insofern ist das etwas sehr Ähnliches zu dem, was du hier schriebst und es macht vollkommen Sinn.
    Danke & lG,
    Sybill

  5. Liebe Claudia,
    ein Fehler ist für mich kein Fehler, sondern einfach nur Unwissenheit.
    Spontan fällt mir dazu ein Ereignis beim HFS ein:
    Ich sollte meine Hündin Maya zu mir rufen. Das tat ich, wobei ich mich nach vorne beugte und sie freundlich zu mir rief.
    Der Prüfer wies mich darauf hin, dass ich bei dieser Körperhaltung eine Bedrohung für meinen Hund sei, besser wäre es, sich hinzuhocken.
    Ich war über die Aussage, dass ich eine Bedrohung für meinen Hund sei, so schockiert, dass mich dieser Satz noch heute verfolgt.
    Aber war die falsche Körperhaltung ein Fehler?
    Nein! Es war einfach nur Unwissenheit von mir und was ich nicht weiß, kann ich auch nicht richtig machen.
    Wenn Maya etwas macht, was nicht in meinem Sinne war, sage ich auch oft: Das war jetzt mein Fehler.
    Eigentlich war es aber kein Fehler, sondern nur Unwissenheit oder unüberlegt von mir.
    Dein Artikel ist super und in Zukunft werde ich versuchen,
    falsche Handlungen einfach positiv zu sehen , weil man daraus nur lernen kann.
    LG Marianne

  6. Hallo Claudia,
    das ist sehr interessant und nützt auch im Büroalltag. Mit Informationen kann man besser umgehen, als mit Kritik.
    In gewisser Weise könnte man einen Fehler als Ideenreichtum bezeichnen. Ich erwarte ein Verhalten und ein anderes Verhalten wird gezeigt. Also hat jemand eine andere Idee als ich. Oder wenn es um mich selbst geht, erwarte ich ein anderes Verhalten von mir als das, was ich tue, bin ich also auch ideenreicher als ich dachte..
    Liebe Grüße
    Heidrun

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