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Wie kann man einen Welpen sinnvoll beschäftigen?

Heute möchte ich mal wieder eine Frage beantworten. Es geht um das Thema „den Welpen beschäftigen“.

Frage

„Hallo, Blue ist meine 10 Wochen alte Cattle Dog Hündin.
Ich habe sie seit einer Woche und würde sie gerne mehr beschäftigen.“

Antwort

Was wurde bisher mit dem Welpen gemacht?

Zunächst mal stellt sich mir natürlich die Frage, wie der Welpe bisher beschäftigt wurde.

Fall 1: Wenn der Welpe bis jetzt einfach ankommen durfte und hauptsächlich gelernt hat, dass Ruhen eine gute Idee ist und ansonsten noch nicht viel unternommen wurde, ist es eine gute Idee, etwas mehr zu machen und ihn ein wenig mehr zu beschäftigen.

Fall 2: Ist der Hintergrund der Frage eher der, dass der Welpe jetzt schon stundenlang aktiv ist und gar nicht zur Ruhe kommt, ist es eine grandiose Idee, als neue Lieblingsbeschäftigung das NICHTSTUN zu üben. Und nicht zu versuchen, ihn mit noch mehr Dingen „auszupowern“, was leider immer noch häufig empfohlen wird.

Fall 3: Bewegt sich Ruhe und Aktivität im empfohlenen Rahmen, also so rund 20 Stunden ruhen und die restliche Zeit wird für Geschäftserledigung, kleine Erkundungstouren, gemeinsames Knuddeln und üben genutzt und die Fragestellerin möchte einfach nur wissen, was sie noch Sinnvolles üben kann, würde ich sagen: Weiter so!

Es gibt also keine einfache Antwort auf diese Frage!

Extra-Service: Auch zum Hören

Aber wie kann man den Welpen denn nun am besten beschäftigen? Soll er mehr beschäftigt werden? Sollte man ihn auspowern?

Warum ein Welpe nicht ausgepowert werden muss

Wenn man so darüber nachdenkt, dass dieses Tier ja gerade mal seit etwas über 2 Monaten auf dieser Welt ist, wird einem schon klar, dass es ganz schön damit beschäftigt ist, die Welt an sich kennen zu lernen.

Wenn man dann weiter überlegt, dass der kleine Welpe gerade auch noch so ziemlich alles verloren hat, was er bisher kannte und schon seinen ersten Umzug hinter sich hat, sich an sein neues Zuhause und die Menschen dort gewöhnen muss, wird noch klarer: Der Welpe hat von Haus aus genug Beschäftigung. Lass uns mal schauen:

Was wir so alles vom Welpen erwarten!

  • Er soll schnell stubenrein werden
  • Er soll ordentlich an der Leine laufen
  • Er soll mit den Kindern klar kommen
  • Die anderen Haustiere soll er auch nett finden
  • welpe beschäftigenEr soll gut mit im Auto fahren können – ohne kotzen und ohne Töne
  • Er soll möglichst nachts durchschlafen
  • Er soll sich melden, wenn er muss
  • Unsere Sprache, die sollte er auch verstehen
  • Er soll sich streicheln lassen
  • Er soll kommen, wenn wir ihn rufen
  • Er soll entspannt bleiben bei lauten Geräuschen
  • Er soll sich sein Geschirr anziehen lassen
  • Er soll auch die Oma mit dem Rollator gut finden
  • Er soll wissen, dass er auf das Sofa nicht darf, aber auf den Sessel schon
  • Er soll Besucher nicht belästigen – aber auch keine Angst vor ihnen haben
  • Überhaupt soll er keine Angst haben
  • Schön wäre auch, wenn er nicht jagt
  • Er soll ruhig warten, während wir in der Eisdiele ein Eis essen
  • Er soll nicht an jedem hochspringen – er soll andere Menschen aber auch nicht gruselig finden
  • Er soll alle möglichen (und unmöglichen) „Kommandos“ befolgen, die wir ihm sagen
  • Er soll gefälligst nicht stören, wenn wir gerade keine Zeit haben
  • Ach ja, fast vergessen – Alleinbleiben können muss er natürlich auch, und zwar ohne Geräusch von sich zu geben oder die Wohnungseinrichtung zu demolieren

So könnte ich endlos weiter machen. Je nach Umgebung fällt das eine weg, dafür kommen 3 andere Sachen hinzu, die der Welpe können soll.

Der Welpe muss das lernen

Ganz ehrlich: All das, was wir da so von unserem Welpen erwarten, kann er nicht vollautomatisch. Meiner Meinung nach ist es unsere Aufgabe als Hundehalter, ihm das so beizubringen, dass er es leicht lernen kann und Spaß dabei hat.

welpe beschaeftigenUnd wenn es nicht klappt. wir nicht dem Hund das in die Schuhe schieben und ihn als stur bezeichnen, sondern uns an die eigene Nase fassen und nach einem anderen Weg suchen.

Neben der Versorgung mit ausreichend Nahrung, ärztlicher Versorgung, einem Dach über dem Kopf und Sozialkontakt finde ich, es ist das Mindeste, das Lebewesen, das wir uns ausgesucht und das wir zu uns geholt haben, fair und nett zu erziehen und zu trainieren. Und nicht Dinge zu erwarten, die man gar nicht geübt hat. Und dann gibt es eventuell noch Sanktionen für das Tier.

Dieser kleine Exkurs musste jetzt einfach sein. Weil es mir so am Herzen liegt. 💙

Um zur Ursprungsfrage zurück zu kommen, wie man den Welpen also „mehr“ beschäftigen kann, wobei ich „mehr“ lieber durch „sinnvoll“ ersetze. Ich hoffe, die Fragestellerin kann da mit mir gehen.

3 Tipps zur sinnvollen Beschäftigung

  1. Weniger ist mehr
    Grundsätzlich gilt, dass immer Qualität vor Quantität geht. Es ist gut, wenn dein Welpe verschiedenste Dinge kennen lernt.
    Aber anstatt wahllos jeder Kind auf dieser Erde sich auf deinen Hund stürzen zu lassen, lass ihn lieber nur nette Kinder kennen lernen, die du anleiten kannst und die vorsichtig mit ihm umgehen und ihm die Zeit geben, die er braucht.
    Dein Welpe muss nicht zu jedem Hund auf dieser Erde. Lieber wenige gut sozialisierte Hunde kennen lernen, als eine böse Erfahrung machen und fortan beschließen, Hunde sind doof.
    Anstatt zur Hauptverkehrszeit an die Hauptverkehrsstraße zu gehen, starte erst mal in einer ruhigen Nebenstraße mit Autolärm. Anstatt nachmittags auf den Flohmarkt zu tapern, wenn es dort rappelvoll ist, geh lieber für 5 Minuten zu einer ruhigen Zeit auf den Marktplatz oder in das Einkaufszentrum.
    Sozialisierung nennt man das auch. Es ist eine überaus sinnvolle Beschäftigung für einen Welpen, aber in kurzen Trainingseinheiten, die positiv verlaufen.
    .
  2. Gemeinsames Tun ist wertvoll
    Ich finde, es gibt kaum etwas Schöneres als gemeinsam mit dem Welpen zu spielen, zu knuddeln, die Welt zu erkunden! Gemeinsame Zeit, gemeinsam Spaß haben, gemeinsam lernen. Da entsteht die sogenannte Bindung, die ich lieber als vertrauensvolle Beziehung bezeichne.
    Dazu muss ich aber berechenbar sein für meinen Welpen. Ich muss auch Rücksicht auf ihn nehmen. Bemerken, wenn ihm etwas unangenehm ist. So trainieren, dass er es verstehen kann und Erfolge feiern kann. Dann wird jede Sekunde der Welpenzeit ein Glücksmoment für beide Seiten.
    Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich die Zeit mit Cleo genossen habe. (Tue ich immer noch 💜)
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  3. Fordern, aber nicht überfordern
    Damit meine ich, dass du schon jeden Tag etwas Spannendes mit deinem Welpen machen sollst. Das kann eine neuer Weg sein, den ihr erkundet. Es könnte ein netter Hund sein, den du deinem Welpen vorstellst. Und natürlich kann das auch einfach eine neue Übung sein. Oder eine Übung, die dein Hund schon gelernt hat, an einem anderen Ort abzufragen. Hört sich nicht sehr aufregend an?
    Zur Erinnerung: Dein Welpe muss alles auf dieser Welt noch lernen. Alle deine Regeln, all die Übungen, all die Umwelteindrücke.
    Welpen lernen total schnell und gerne. Und es ist gut, wenn sie täglich ein neues kleines „Häppchen“ dazu lernen können. Man sollte dabei nur niemals vergessen, wie aufregend und anstrengend es auch ist, neues zu lernen. Und deshalb für kurze Übungseinheiten und vor allem für genügend Ruhezeiten sorgen.

Woran merkt man Überforderung?

Immer, wenn mich jemand fragt, wie er den Welpen besser auslasten kann, werde ich hellhörig und bohre nach. Nein, ich bohre nicht nach, um den Menschen zu ärgern. Sondern ich bohre nach, um herauszufinden, ob der Welpe ein Programm wie eine Manager hat.

welpen beschaeftigenUnd bisher habe ich noch niemanden getroffen, der mich das gefragt hat und wo tatsächlich zu wenig mit dem Welpen gemacht wurde.

Weil zuviel gemacht wurde, war der Welpe so überdreht, dass seine Menschen ihn gar nicht mehr zur Ruhe brachten. Und dann hat auch noch der Nachbar, der schon seit 50 Jahren Hunde hat, ihnen gesagt, dass sie ihren Welpen nur auspowern müssen und dann klappt das schon alles.

Leider hilft das immer nur so lange, wie der Welpe wirklich so platt ist, dass er nicht mehr kann, selbst wenn er will. Wie gesund das ist, kann sich jeder vorstellen. Und wer selber schon mal über einen längeren Zeitraum über seine eigenen Grenzen hinaus gegangen ist, weiß, dass irgendwann nichts mehr funktioniert. Kein Schlaf mehr möglich, obwohl man totmüde ist. Sich mal zu entspannen ist nicht denkbar, weil man ständig unter Strom steht, usw.

Ich will es gar nicht weiter ausführen – ich denke, JEDEM ist klar, dass KEIN Welpe das braucht. Auch kein Border Collie und kein anderer Hund einer Arbeitsrasse.

Sorry, das musste ich jetzt ein bisschen länger ausführen, weil mich diese Fragen nach mehr Beschäftigung und Auspowern von Welpen immer sehr treffen. Deshalb hier jetzt noch die

Antwort in Kurzform

Beschäftige deinen Welpen mit kurzen und abwechslungsreichen neuen Erfahrungen, die positiv verlaufen. Das kann ein neuer Weg beim Gassigehen sein, eine neue Person treffen, neue Objekte am Wegesrand (z.B. Mülleimer), an der Leine laufen lernen, Geschirr anziehen lernen, auf dich zu achten, gemeinsam spielen, anfassen üben – also alles, was dein Welpe sowieso lernen muss.
Bei alle dem gilt: Weniger ist mehr. Genügend Ruhe ist die Basis von allem.

Übrigens findest du hier auf dem BLOG ganz viele Anleitungen, wie du all diese Dinge auf nette Art üben kannst, sodass du eine vertrauensvolle Beziehung mit deinem Welpen aufbaust.

Claudia

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Hanne - 22. Juni 2018

Sehr gute Anleitungen, helfen mir sehr.

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Ellen Hattwich - 5. Juli 2018

Wie nehme ich meiner kleinen 4 Monate alten Kromfohrländer-Hündin auf der Straße die Angst vor fremden Hunden? In sicherer Umgebung spielt sie gut mit ihr bekannten, auch größeren Hunden.

Reply
    Claudia Hußmann - 5. Juli 2018

    So

    Reply
Mein lieber Hund Podcast -Epi 50 - Es geht weiter - 14. Juli 2018

[…] es sich um ein Welpenthema handelt, findest du die Episode auf meinem BLOG zur Welpenerziehung. Dort kannst du den Inhalt auch […]

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